Die Stadt Cottbus plant mit großem finanziellem Aufwand den Bau einer Seewasserwärmepumpe am Ostsee. Ursprünglich wurde mit 77 Mio. € kalkuliert, doch mittlerweile sprechen Experten von nahezu 100 Mio. € [1][4]. Hinzu kommt, dass das Projekt aktuell wegen einer ausstehenden beihilferechtlichen Genehmigung aus Brüssel ins Stocken geraten ist [4]. Jede Verzögerung bedeutet weitere Kostenrisiken und eine wachsende Unsicherheit für die Fernwärmeversorgung.
Sorgfalt vor Schnellschuss
Unsere Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung hat mit einem Änderungsantrag klar gemacht, dass ein Projekt dieser Größenordnung nicht blind durchgewunken werden darf. Wir fordern:
- Ausschreibung nach Vergaberecht und belastbaren Wirtschaftlichkeitsnachweis [3].
- Prüfung aller Risiken: Grundstücksrechte, Genehmigungen, Rückführung des Seewassers [3].
- Vorlage von Finanzierungszusagen und Förderbescheiden [3].
- Vergleich mit Alternativen, z. B. Blockheizkraftwerke oder hybride Systeme [3].
- Quartalsweise Berichterstattung an die SVV, damit Transparenz für Bürger und Politik besteht [3].
Damit wollen wir sicherstellen, dass Investitionen von 90–100 Mio. € verantwortungsvoll getätigt werden und nicht zur Kostenfalle für die Bürger werden.
Leistung & Wärmeanteil
Der Focus-Artikel berichtet von einer geplanten 35-MW-Wärmepumpe, die mindestens 40 % der Fernwärmeversorgung abdecken soll [1]. Die Kosten werden dort mit ca. 80 Mio. € angegeben [1].
SCOP und Strombedarf
Ich habe bereits im März 2024 eine Einwohneranfrage gestellt. Die Antwort auf meine Frage zur Jahresarbeitszahl lautete:
„Modellhaft rechnet Stadtwerke Cottbus derzeit mit einem SCOP von 2,8.“ [2]
Was bedeutet SCOP?
SCOP steht für Seasonal Coefficient of Performance (Saisonaler Leistungskoeffizient) und beschreibt, wie effizient eine Wärmepumpe über ein Jahr arbeitet.
- Ein SCOP von 2,8 bedeutet: Aus 1 kWh Strom werden 2,8 kWh Wärme erzeugt.
- Anders gesagt: Rund 36 % der erzeugten Wärmeenergie müssen als Strom zugeführt werden – der Rest wird aus der Umwelt (hier: Seewasser) entzogen.
Berechnung:
Bei 35 MW Leistung und 4.000 Volllaststunden ergibt sich:
- Wärmeproduktion:
35 MW × 4.000 h = 140.000 MWh Wärme/Jahr - Strombedarf:
140.000 MWh ÷ 2,8 ≈ 50.000 MWh Strom/Jahr
Das entspricht dem Jahresstromverbrauch von über 15.000 Haushalten. [1][3][4].
Offene Fragen & Risiken
- Beihilfeverfahren: Ohne EU-Genehmigung kann das Projekt nicht starten [4].
- Stromversorgung: 50.000 MWh Strom zusätzlich pro Jahr – bei Kohleausstieg eine Herausforderung.
- Kostenentwicklung: Kosten könnten weiter steigen – jeder Monat Verzögerung verteuert das Projekt [4].
Fazit
Die Wärmepumpe kann ein Baustein der Wärmewende sein, darf aber nicht zu einer Kostenexplosion für die Bürger führen.
Wir setzen uns weiterhin dafür ein, dass Cottbus eine bezahlbare, sichere und technologieoffene Wärmeversorgung erhält. Ideologische Projekte auf Kosten der Steuerzahler lehnen wir ab – Transparenz, Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit müssen an erster Stelle stehen.
Quellenverzeichnis
[1] Focus-Online: Riesen-Wärmepumpe in künstlichem See heizt schon bald deutsche Kohle-Hochburg https://www.focus.de/earth/report/in-cottbus-riesen-waermepumpe-in-kuenstlichem-see-heizt-schon-bald-deutsche-kohle-hochburg_id_259836967.html
[2] Einwohneranfrage 29/24, Stadtverordnetenversammlung Cottbus, 27.03.2024
[3] Antrag der AfD-Fraktion zur Änderung der Beschlussvorlage I-012/24 StVV vom 22.10.2024
[4] Lausitzer Rundschau: Cottbuser Ostsee: Hohe Hürde aus Brüssel für Seewasserwärmepumpe in Cottbus, 17.09.2025
https://www.lr-online.de/lausitz/cottbus/cottbuser-ostsee-hohe-huerde-aus-bruessel-fuer-seewasserwaermepumpe-in-cottbus-78292784.html


