Wie Solarparks, Rohstoffe und globale Lieferketten unsere Stromversorgung verändern
Die LEAG baut im Energiepark Bohrau auf rekultivierten Flächen des Tagebaus Jänschwalde eine der größten Photovoltaikanlagen Deutschlands. Allein der erste Bauabschnitt umfasst 133 MWp – das entspricht 332.500 Solarmodulen auf 226 Hektar Land [1][2].
Die Vision: Sonne, Wind und Batterien sollen die Lausitz zum Energiezentrum machen. Doch diese Entwicklung wirft Fragen auf: Machen wir uns damit nicht von neuen Risiken abhängig – von Wetter, globalen Rohstoffketten und fremden Technologien?
Gigantischer Flächenverbrauch
Solarstrom braucht Platz. Für Bohrau bedeutet das:
- 226 Hektar Fläche, umgerechnet 315 Fußballfelder
- Eingriffe in Landschaft, Boden und Lebensräume

Solche Großprojekte verändern das Gesicht ganzer Regionen und stoßen nicht überall auf Akzeptanz – besonders dort, wo Land für Landwirtschaft, Forstwirtschaft oder Naherholung genutzt wird.
Wetterabhängigkeit & Dunkelflauten
Sonne und Wind sind nicht rund um die Uhr verfügbar. Dunkelflauten – Wetterlagen mit gleichzeitig wenig Sonne und Wind – können die Stromproduktion tagelang lahmlegen.
- In Deutschland treten durchschnittlich zwei Dunkelflauten pro Jahr auf, die länger als 48 Stunden dauern [3].
- Im Winter 2024/25 gab es allein bis Januar bereits drei solcher Ereignisse [4].
Batteriespeicher können Energie nur für wenige Stunden verschieben – nicht über mehrere Tage. Ohne grundlastfähige Kraftwerke bleibt die Versorgung unsicher.

Rohstoff- und Lieferkettenabhängigkeit
Die Energiewende setzt massiv auf Lithium-Ionen-Speicher. Dafür werden benötigt:
- Lithium aus Südamerika – wasserintensiver Abbau
- Kobalt aus der DR Kongo – oft unter problematischen Arbeitsbedingungen
- Nickel aus Asien und Russland – hoher CO₂-Fußabdruck
Damit entstehen neue Abhängigkeiten von Ländern, die selbst geopolitisch nicht immer verlässlich sind [5][6].
Recycling & Antimon: Eine unterschätzte Baustelle
2023 hat ein deutsches Recyclingunternehmen tonnenweise Solarmodule verarbeitet – und 85 % waren jünger als drei Jahre [7][8]. Die Gründe: Produktionsfehler, Transportschäden, Stürme oder Hagel.
Antimon: das stille Problem im Glas
Die meisten chinesischen Solargläser enthalten Antimontrioxid (Sb₂O₃) als Läutermittel.
- Anteil: ~0,2–0,3 Gewichts-% (nicht 15–20 %) [9]
- Recycling: nur schwer erneut zu Solarglas nutzbar → Sondermüll [10]
- Nach der Insolvenz des letzten Solarglaswerks in Tschernitz sind wir bei Solarglas zu fast 100 % auf Importe angewiesen [11][12].
CO₂-Bilanz: Solar ist gut – aber nicht perfekt
Wenn man Herstellung, Transport und Recycling mit einbezieht:
- Solarstrom: 10–36 g CO₂/kWh [13]
- Kernenergie: ca. 12 g CO₂/kWh (gleiches Niveau, aber grundlastfähig) [14][15]
- Braunkohle: ~1.100 g CO₂/kWh [16]
Der Vergleich zeigt: Solarstrom spart viel CO₂ gegenüber Kohle, ist aber nicht klimaneutral. Kernenergie ist ähnlich klimafreundlich und könnte Grundlast liefern.
Politische Alternativen: Kernkraft & Fusionskraft
Die AfD fordert in ihren Wahlprogrammen:
- Wiedereinstieg in die Kernkraft (moderne Reaktoren, Generation IV)
- Fusionsforschung als Zukunftstechnologie
- Kohlekraftwerke nur so lange laufen zu lassen, bis eine grundlastsichere Energieversorgung durch Kern- oder Fusionskraft gewährleistet ist [17][18][19].
Damit setzt sie auf Technologieoffenheit und Versorgungssicherheit, statt allein auf Sonne und Wind.
Auswirkungen auf Natur & Insekten
Solarparks haben auch ökologische Nebenwirkungen:
- Paneele spiegeln polarisiertes Licht → Insekten halten sie für Wasserflächen
- Folgen: Fehlorientierung, Verlust von Eiablageplätzen, Insektensterben [20][21]
Maßnahmen wie matte Glasoberflächen oder weiße Raster können diesen Effekt reduzieren – sie sind aber noch nicht Standard.
Und selbst mit Blühstreifen, Wildtierkorridoren und Ausgleichspflanzungen bleibt der Eingriff in unsere Lausitzer Landschaft massiv und verändert dauerhaft deren Charakter.
Mein Fazit
Die GigawattFactory in Bohrau steht sinnbildlich für den Kurs der Energiewende:
- Große Flächen werden verbaut,
- Rohstoffketten verlagern Abhängigkeiten ins Ausland,
- Recycling steckt noch in den Kinderschuhen,
- und die Versorgungssicherheit bleibt wetterabhängig.
Eine offene Debatte über Kernkraft, Fusionskraft und Speicherstrategien ist notwendig, wenn die Energiewende nachhaltig, sicher und wirtschaftlich sein soll.
Quellenverzeichnis
[1] LEAG – Projektmeldung GigawattFactory Bohrau (2025)
[2] LEAG – Windpark Forst-Briesnig II (>100 MW)
[3] LBBW Research – „Energiewende: Stabilität trotz Dunkelflauten?“ (2025)
[4] 1KOMMA5° – Strommarktbericht Winter 2024/25
[5] IEA – „Critical Minerals for Clean Energy Transitions“ (2024)
[6] BGR – „Rohstoffsituation Lithium/Kobalt/Nickel“ (2024)
[7] pv-europe – Interview Reiling Recycling (2025)
[8] Intersolar – Reiling Recyclingkapazität (2024)
[9] Borosil Renewables – Antimongehalt Solar-Glas
[10] RIVM (NL) – Studie Recycling von Sb-haltigem Glas (2023)
[11] Ministerium BB – Meldung Insolvenz GMB Solarglas (2025)
[12] PV-Tech – „German solar glass manufacturer GMB enters insolvency“ (2025)
[13] NREL – „Updated LCA of Utility-Scale PV“ (2024)
[14] IPCC AR5 – Kapitel 7, Median Kernenergie-Emissionen
[15] World Nuclear Association – Life Cycle Emissions Nuclear (2024)
[16] Prof. Quaschning – Berechnungen CO₂-Emissionen Braunkohle
[17] Deutscher Bundestag – Antrag AfD „Neuanfang Kernenergie“ (2024)
[18] AfD-Bundestagswahlprogramm 2025 – Energiepolitik
[19] Bundestagsdebatte – Rückbau-Stopp, Nuklearallianz (2024)
[20] Horváth et al. (2010) – Studie „Polarized light pollution“
[21] Takács et al. (2024) – Drohnen-Polarimetrie über PV-Farmen


