Wer erinnert sich noch an die Schuldenkrise, die vor etwa eineinhalb Jahrzehnten fast dazu geführt hätte, dass der Euro als sogenannte Gemeinschaftswährung scheitert oder aber zumindest einige Staaten die Euro-Zone verlassen müssen? Man hat seinerzeit alle Hebel in Bewegung gesetzt, um dies zu verhindern – auch um den Preis, alle Maastricht-Kriterien, auf die man sich bei der Bildung der Währungsunion verständigt hatte, über Bord zu werfen. Darunter leidet Europa bis heute.
Damals ging es vor allem um Griechenland, am Rande auch um andere vergleichsweise kleine europäische Volkswirtschaften. Dennoch war diese Krise existenzbedrohend, nur mit unvorstellbaren Milliardensummen konnten die Löcher zeitweise gestopft werden. Zeitgleich wurden neue aufgerissen, deren Abzahlung noch kommenden Generationen vorbehalten bleiben wird.
Frankreich vor dem finanziellen Kollaps
Am Horizont sieht man nun schon die nächste Staatsschuldenkrise, die zu einer Euro-Krise werden könnte. Diesmal könnte es noch schlimmer kommen, weil im Zentrum der Schuldenkrise mit Frankreich die zweitgrößte Volkswirtschaft der EU und der Euro-Zone steht. Die Schuldenlast Frankreichs ist viel zu groß, um eine Rettungsaktion wie im Falle Griechenlands zu wiederholen [1].
Der Präsident des Deutschen Wirtschaftsinstituts (DIW), Marcel Fratzscher, sieht eine Abwärtsspirale, weil steigende Zinsen zu einer Rezession führen könnten, was die Steuereinnahmen sinken und die Schulden weiter wachsen lassen würde [2]. Es sei ein „Teufelskreis, bei dem steigende Schulden und politische Lähmung das Vertrauen in die staatlichen Institutionen weiter schwächen und damit die Zinsen in die Höhe treiben“ [3].
Auch der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman hat darauf hingewiesen, dass Frankreich „zu groß zum Retten“ sei [4]. Er beschreibt ebenfalls eine Spirale aus Zweifeln an der Tragfähigkeit der Schulden, damit ausgelösten Kapitalabflüssen und angetriebenen Renditen [4].
Explodierende Schulden und Zinsen – kaum politischer Handlungsspielraum
Die darauf hindeutenden Zahlen sind bereits zu sehen. Der Schuldenberg des Landes beläuft sich mittlerweile auf rund 3,6 Billionen Euro [5]. Die Anleiherenditen Frankreichs sind auf den höchsten Stand seit dem Jahr 2002 gestiegen [6]. Hinter stark steigenden Anleiherenditen verbirgt sich stets die Sorge, dass ein Land finanziell nicht mehr stabil ist und seinen diesbezüglichen Verpflichtungen nicht nachkommen könnte. Das verteuert die Aufnahme neuer Kredite und reduziert folglich die politische Handlungsfähigkeit.
Schon jetzt zahlt Frankreich pro Jahr etwa 80 Milliarden Euro nur an Zinsen, deutlich mehr als die Ausgaben für Bildung [2]. Im kommenden Jahr wird mit einem Anstieg der Zinskosten um 10,3 Milliarden Euro gerechnet [5].
Laut dem Internationalen Währungsfonds (IWF) wird die Verschuldung Frankreichs in diesem Jahr auf 118,5 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen, zu Beginn der letzten Euro-Krise im Jahr 2010 lag sie bei 86 Prozent [6]. Noch im letzten Jahr lag sie bei 115,6 Prozent, was den galoppierenden Anstieg der Staatsverschuldung zeigt [7]. Die französische Regierung selbst rechnet für das nächste Jahr bereits mit einer Gesamtverschuldung in Höhe von 121,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) [2].
Eigentlich darf die Neuverschuldung pro Jahr die Marke von drei Prozent der Wirtschaftsleistung nicht überschreiten, wenn man den Maastricht-Kriterien gerecht werden will. Der IWF prognostiziert für dieses Jahr eine französische Neuverschuldung in Höhe von 5,4 Prozent [6].
Die Krise kann sich auf den Rest der Euro-Zone ausweiten
Frankreich wird nicht nur von einer Schuldenkrise heimgesucht, zeitgleich befindet es sich in einer schweren politischen Krise, die einen Sparkurs erschwert [6]. Im nächsten Jahr stehen Präsidentschaftswahlen an. Entweder rückt das Land nach rechts oder nach links, Macron hat alles dazwischen unwählbar gemacht. Vom medial umjubelten Hoffnungsträger der EU ist er zum Schuldenkönig geworden.
Hinzu kommt eine europaweit problematische Gemengelage. Die Inflation liegt in der Euro-Zone offiziell bei 3,8 Prozent, die EZB wird also wohl weiterhin mit steigenden Leitzinsen reagieren, um die Geldentwertung zu bremsen [1]. Das verteuert den Schuldendienst für Frankreich und andere völlig überschuldete Staaten zusätzlich.
Die Folgen für die restliche Euro-Zone sind bereits sichtbar, Investoren verlassen die Währung in Richtung Dollar, der Euro hat deutlich an Wert verloren [8]. Das ist keine bloße Statistik, das kann handfeste Konsequenzen für uns alle mit sich bringen. So sind Ansteckungseffekte an den Anleihemärkten für andere Euro-Staaten zu erwarten, was auch deren Finanzierung massiv erschweren würde [3]. Erdöl und andere wichtige Rohstoffe werden auf dem Weltmarkt in Dollar bezahlt, der Wechselkurs kann zu einem spürbaren Aufschlag führen [8].
Die Gefahr, dass sich Frankreichs Schuldenkrise auf den Rest der Euro-Zone ausweiten könnte, ist damit offensichtlich.
Keine deutsche Haftung für die Schulden anderer Staaten!
In der letzten Staatsschulden- und Euro-Krise beging man die finanz- und währungspolitische Todsünde, indem man den Grundsatz, dass jeder Staat nur für die eigenen Schulden einzustehen hat, der Vergangenheit angehören ließ. Seither weiß jeder Staatspräsident und Regierungschef in der Euro-Zone, dass er sein Land über beide Ohren verschulden und sich somit Zeit kaufen kann, weil am Ende schon irgendjemand die Zeche zahlen wird.
Damals drückte man die Zinsen, kaufte mit gigantischen Summen Staatsanleihen und schuf eine auf Dauer angelegte stille Inflation, die wir alle jeden Tag spüren. Wir zahlen den Schuldenberg mit einer gesunkenen Kaufkraft.
Es darf nicht zugelassen werden, dass sich das Drehbuch der letzten Staatsschulden- und Euro-Krise wiederholt. Deutsche Steuerzahler dürfen nicht schon wieder in die Haftung für die Schulden anderer Staaten genommen werden. Wir haben genug eigene Lasten zu tragen.
Raus aus dem Euro
Für mich ist die Konsequenz aus alledem klar: Deutschland muss raus aus dem Euro. Ich sage das nicht leichtfertig. Die Erfahrung der letzten fünfzehn Jahre zeigt, dass sich die Konstruktionsfehler dieser Währung nicht reparieren lassen. Eine einzige Währung und ein einziger Leitzins für Volkswirtschaften, die so unterschiedlich wirtschaften wie Deutschland, Frankreich, Italien oder Griechenland, können auf Dauer nicht funktionieren. Was für den einen zu hoch ist, ist für den anderen zu niedrig. Staaten mit eigener Währung konnten früher über den Wechselkurs gegensteuern. Im Euro bleibt ihnen nur der Ruf nach Rettungsschirmen, Anleihekäufen und gemeinsamer Haftung.
Genau dieses Muster erleben wir gerade wieder. Frankreich steuert auf eine Schuldenkrise zu, und am Ende wird erneut die Frage gestellt werden, wer dafür einsteht. Solange wir im Euro bleiben, wird die Antwort immer gleich lauten: Deutschland. Wer das verhindern will, muss das Übel an der Wurzel packen und darf sich nicht mit immer neuen Rettungsrunden zufriedengeben.
Mit dieser Haltung stehe ich nicht allein. Die AfD wurde 2013 als eurokritische Partei gegründet, und in ihrem Bundestagswahlprogramm 2025 heißt es unmissverständlich: „Deutschland muss aus dem Euro-System austreten“ [9]. Viele Mitglieder an unserer Basis sehen das genauso wie ich. Eine eigene, stabile Währung, über deren Wert in Deutschland entschieden wird, ist für mich nicht rückwärtsgewandt. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass wir wieder selbst über unser Geld, unsere Ersparnisse und unsere Zukunft bestimmen.
Quellenverzeichnis
[1] WELT: „Die Rückkehr der Euro-Krise“, Kommentar von Dorothea Siems, 22. Oktober 2026. https://www.welt.de/debatte/article6acf8f67fd6239b19ad41789/frankreichs-haushaltsmisere-droht-europa-in-eine-schuldenkrise-zu-stuerzen.html
[2] Frankfurter Rundschau: „Schuldenberg und Rekordzinsen: Ökonomen warnen vor neuer Euro-Krise in Frankreich“, 9. Oktober 2026. https://www.fr.de/wirtschaft/frankreichs-schuldenkrise-oekonomen-warnen-vor-euro-beben-zr-94532629.html
[3] DER SPIEGEL: „Ökonomen warnen wegen Frankreichs Schwäche vor neuer Schuldenkrise“, 8. Oktober 2026. https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/frankreichs-hohe-staatsverschuldung-oekonomen-warnen-vor-neuer-schuldenkrise-a-7f416b74-39d3-439d-82c4-47f7c4201191
[4] BÖRSE ONLINE: „Stürzt Frankreich Europa in die nächste Eurokrise? ‚Land ist zu groß, um es zu retten‘“, 10. Oktober 2026. https://www.boerse-online.de/nachrichten/zertifikate/nobelpreistraeger-krugman-warnt-vor-neuer-euro-krise-frankreich-ist-zu-gross-um-es-zu-retten-20414077.html
[5] Merkur: „Frankreichs Schuldenkrise spitzt sich zu – das könnte Deutschland Milliarden kosten“, 24. Oktober 2026. https://www.merkur.de/wirtschaft/frankreichs-schuldenkrise-muss-deutschland-milliarden-zahlen-zr-94556772.html
[6] tagesschau: „Droht wegen Frankreich eine neue Eurokrise?“, 23. Oktober 2026. https://www.tagesschau.de/wirtschaft/finanzen/frankreich-anleiherenditen-schuldenkrise-eurokrise-ezb-100.html
[7] FOCUS online: „Frankreichs Finanzkrise: ‚Das Land ist ein Wrack‘“, 4. September 2026. https://www.focus.de/finanzen/news/frankreichs-lage-ist-schlimmer-als-waehrend-der-euro-und-finanzkrise_33df56a4-d6c5-409e-8f26-eae5a2fd5704.html
[8] BR24: „Frankreichs Schuldenkrise: Was sie für uns bedeutet“, 18. Oktober 2026. https://www.br.de/nachrichten/wirtschaft/frankreichs-schuldenkrise-was-sie-fuer-uns-bedeutet,VYCcYsz
[9] Volksstimme (dpa): „Generation Deutschland: AfD-Jugend feiert Siegmund – Uneinigkeit beim Thema Euro“, 29. August 2026. https://www.volksstimme.de/deutschland-und-welt/deutschland/afd-jugend-feiert-siegmund-uneinigkeit-beim-thema-euro-4309989


