Der Amateur- und Breitensport ist das Rückgrat unserer Sportlandschaft. Millionen Menschen engagieren sich Woche für Woche auf Sportplätzen, in Turnhallen und Vereinsanlagen. Häufig geschieht dies ehrenamtlich. Doch ein wachsendes Problem belastet den Sport zunehmend: Gewalt auf und neben dem Spielfeld.

Immer häufiger berichten Vereine, Schiedsrichter und Spieler von Übergriffen, Bedrohungen und eskalierenden Konflikten bei Amateurspielen. Besonders im Fußball häufen sich entsprechende Vorfälle seit Jahren. Bereits in einem früheren Beitrag habe ich darauf hingewiesen, dass Gewalt im Amateurfußball längst kein Einzelfall mehr ist, sondern ein strukturelles Problem darstellt.[1]

Eine aktuelle Antwort der Bundesregierung auf meine Kleine Anfrage im Deutschen Bundestag zeigt nun ein bemerkenswertes Bild und wirft gleichzeitig neue Fragen auf.[2]

Keine bundesweiten Zahlen zu Gewalt im Amateur- und Breitensport

Die Bundesregierung bestätigt in ihrer Antwort, dass Gewaltvorfälle im Amateur- und Breitensport in Deutschland bislang nicht bundesweit statistisch erfasst werden.[2] Es existiert also keine einheitliche Datengrundlage darüber, wie häufig Spieler, Schiedsrichter, Trainer oder Zuschauer von Gewalt betroffen sind.

Damit fehlt eine zentrale Voraussetzung, um das Ausmaß des Problems überhaupt realistisch beurteilen zu können. Ohne belastbare Zahlen bleibt jede politische Debatte über Prävention, Sicherheitskonzepte oder Unterstützung für Vereine zwangsläufig unvollständig.

Ein Bericht existiert, bleibt aber unter Verschluss

Besonders bemerkenswert ist eine weitere Information aus der Antwort der Bundesregierung. Im Auftrag der Innenministerkonferenz wurde eine sogenannte Rechtstatsachensammlung zur Gewalt im Amateurfußball erstellt. Dieser Bericht liegt bereits seit August 2023 vor und wurde innerhalb der Innenministerkonferenz beraten.[2]

Veröffentlicht wurde er jedoch bis heute nicht.

Das bedeutet: Während Vereine, Verbände und Ehrenamtliche über zunehmende Probleme berichten, bleiben zentrale Erkenntnisse aus einem offiziellen Bericht der Öffentlichkeit bislang vorenthalten. Gerade für Vereine und Verbände wäre Transparenz jedoch entscheidend, um geeignete Maßnahmen entwickeln zu können.

Bundesregierung plant keine einheitliche Datenerfassung

Noch bemerkenswerter ist eine weitere Aussage der Bundesregierung. Es sind derzeit keine Schritte geplant, um eine bundesweit einheitliche Datenerfassung zu Gewaltvorfällen im Amateur- und Breitensport zu schaffen.[2] Stattdessen verweist die Bundesregierung in ihrer Antwort wiederholt auf die Zuständigkeit der Bundesländer. Doch genau hier liegt das grundlegende Problem. Gewalt im Amateur- und Breitensport ist längst kein lokales Einzelphänomen mehr. Die Vorfälle treten bundesweit auf. Wenn ein Problem bundesweit auftritt, kann es auch nur bundesweit koordiniert wirksam bekämpft werden.

Integration ist Bringschuld: Regeln des Sports müssen respektiert werden

Ein weiterer Aspekt, der in der öffentlichen Debatte häufig ausgeblendet wird, ist die zunehmende Rolle von Konflikten zwischen unterschiedlichen kulturellen Gruppen im Amateurfußball. Bereits in meinem früheren Beitrag zum Thema Gewalt im Amateurfußball habe ich darauf hingewiesen, dass sich die Zusammensetzung vieler Mannschaften in den vergangenen Jahren deutlich verändert hat.[1] Seit der starken Zuwanderung ab dem Jahr 2015 sind auch im Amateurfußball verstärkt Mannschaften entstanden, die überwiegend aus Spielern mit Migrationshintergrund bestehen.

Sport kann grundsätzlich ein Ort der Integration sein. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass Integration auch tatsächlich gelebt wird. Integration bedeutet nicht, dass sich bestehende Strukturen und Regeln anpassen müssen. Integration bedeutet vielmehr, dass diejenigen, die neu in eine Gesellschaft oder in bestehende Vereinsstrukturen kommen, sich selbst integrieren.

Integration ist daher eine Bringschuld. Wer in Deutschland lebt und in deutschen Sportverbänden aktiv ist, muss die Regeln des Sports, die Entscheidungen von Schiedsrichtern sowie die kulturellen und organisatorischen Rahmenbedingungen akzeptieren und respektieren.

Gerade hier berichten viele Vereine, Schiedsrichter und Verbände jedoch zunehmend von Problemen. Immer häufiger wird von Respektlosigkeit gegenüber Schiedsrichtern, aggressivem Verhalten gegenüber Gegnern oder eskalierenden Konflikten auf und neben dem Spielfeld berichtet.

Auch in Brandenburg gab es entsprechende Beispiele. In meinem früheren Beitrag habe ich unter anderem den Migrantenverein Union Cottbus erwähnt, der wiederholt durch Konflikte und Auseinandersetzungen im Spielbetrieb aufgefallen ist.[1] Diese Entwicklungen zeigen, dass Gewalt im Amateurfußball nicht nur eine Frage von Sportorganisation oder Sicherheitskonzepten ist. Es geht auch um Fragen von Integration, Respekt gegenüber Regeln und die Bereitschaft, sich in bestehende gesellschaftliche und sportliche Strukturen einzuordnen. Gerade deshalb wäre eine transparente und bundesweit einheitliche Datenerfassung so wichtig. Nur wenn Ursachen und Hintergründe offen analysiert werden, können Sportverbände und Politik auch wirksame Maßnahmen entwickeln.

Ehrenamtliche und Schiedsrichter brauchen Schutz

Der Amateur- und Breitensport lebt vom Engagement seiner Mitglieder und Ehrenamtlichen. Ohne Trainer, Betreuer, Schiedsrichter und Vereinsfunktionäre würde der Spielbetrieb vielerorts zusammenbrechen. Gerade Schiedsrichter berichten seit Jahren von zunehmenden Bedrohungen und körperlichen Angriffen. Viele hören deshalb ganz auf. Das verschärft die ohnehin angespannte Situation im Amateurfußball zusätzlich. Wenn Politik und Sportverbände diesen Trend nicht ernsthaft angehen, droht dem Amateurbereich langfristig ein massives Strukturproblem.

Drei notwendige Schritte

Aus meiner Sicht braucht es deshalb drei zentrale Maßnahmen.

Transparenz
Der bereits vorliegende Bericht der Innenministerkonferenz zur Gewalt im Amateurfußball muss veröffentlicht werden.

Verlässliche Datengrundlage
Gewaltvorfälle im Amateur- und Breitensport müssen bundesweit einheitlich erfasst werden.

Gemeinsame Strategie
Bund, Länder und Sportverbände müssen konkrete Maßnahmen zur Prävention und zum Schutz von Spielern, Schiedsrichtern und Ehrenamtlichen entwickeln.

Gewalt auf dem Sportplatz darf kein Randthema bleiben

Der Amateur- und Breitensport ist ein wichtiger gesellschaftlicher Ort für Integration, Gemeinschaft und Ehrenamt. Wer diese Strukturen erhalten will, muss auch für Sicherheit sorgen. Gewalt auf Sportplätzen darf deshalb kein Randthema bleiben. Und schon gar nicht ein Problem, über das niemand genau Buch führt.

Wer dauerhaft in unserem Land leben will, muss unsere Regeln akzeptieren, im Alltag genauso wie auf dem Sportplatz. Wer dazu nicht bereit ist und sich nicht in unsere gesellschaftlichen und sportlichen Strukturen einfügen kann oder will, der hat in unserem Land keine Perspektive.


Quellenverzeichnis

[1] Lars Schieske: Amateurfußball außer Kontrolle? Gewalt, Respektverlust und politische Verantwortung.
https://lars-schieske.de/fokusbeitrag/amateurfussball-ausser-kontrolle/

[2] Deutscher Bundestag: Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Lars Schieske u. a. und der Fraktion der AfD – Gewalt im deutschen Amateursport, BT-Drucksache 21/4218, 03.03.2026.

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