Ausländergewalt, Einwanderung und eine Politik, die zu lange weggesehen hat

Vor einer Oberschule in Frankfurt (Oder) haben am 14. Oktober 2026 etwa zehn Kulturfremde einen 14-jährigen Schüler zusammengeschlagen. Sie traten ihm gegen den Kopf, auch dann noch, als er schon wehrlos am Boden lag [1]. Ich habe solche Bilder schon zu oft gesehen, auch aus meiner Heimatstadt Cottbus. Und ich stelle eine einfache Frage: Was wäre in diesem Land los, wenn Täter und Opfer die Rollen getauscht hätten?

Was vor der Kleist-Oberschule geschah

Der Angriff ereignete sich am Nachmittag vor der Heinrich-von-Kleist-Oberschule [1][2]. Ein Video, das die Polizei für echt hält, zeigt, wie die Gruppe den Jungen erst bedrängt und dann auf ihn einschlägt und eintritt [1]. Der Schüler erlitt Gesichtsverletzungen [1]. Die Polizei ermittelt gegen zehn Tatverdächtige zwischen 13 und 15 Jahren wegen gefährlicher Körperverletzung und Raubes. Nach Polizeiangaben haben sie die deutsche, polnische, russische oder syrische Staatsangehörigkeit [1]. Wie sich das auf die zehn verteilt, hat die Polizei nicht mitgeteilt.

Ein Sprecher der Stadt sprach von einem „Einzelfall, der sehr drastisch ist“ [1]. Sozialminister René Wilke (SPD), bis 2025 Oberbürgermeister der Stadt, kündigte an, die neuen Möglichkeiten zur Aberkennung des Schutzstatus und zur Aufenthaltsbeendigung auszuschöpfen [1]. Innenminister Jan Redmann (CDU) prüft Abschiebungen [3]. Wenn selbst die Landesregierung jetzt über Schutzstatus und Ausländerbehörde redet, dann weiß sie genau, worüber sie redet.

Cottbus kennt diese Bilder längst

Wer in Frankfurt (Oder) jetzt von einem Einzelfall spricht, sollte nach Cottbus schauen. Im Schuljahr 2025/2026 hat die Polizei 278 Strafanzeigen wegen Gewalt an Cottbuser Schulen aufgenommen. Das ergab die Antwort der Stadtverwaltung auf unsere Anfrage, über die ich hier bereits berichtet habe [4]. An besonders betroffenen Schulen steht inzwischen ein Sicherheitsdienst, auffällige Kinder wurden aus dem Unterricht genommen und gesondert beschult [1]. Oberbürgermeister Tobias Schick spricht von ersten Teilerfolgen [1]. Ich sage: Wenn eine Stadt Wachleute vor Schulen stellen muss, dann ist das kein Erfolg, sondern ein Armutszeugnis.

Frankfurts Oberbürgermeister Axel Strasser hat es selbst ausgesprochen: Ein solches Ausmaß an organisierter Jugendgewalt habe die Stadt bisher nicht erlebt [2]. Neu ist das nicht. Dennis Hohloch und ich haben die Landesregierung schon im Dezember 2023 mit einer Kleinen Anfrage nach der zunehmenden Gewalt an Cottbuser Schulen gefragt [5].

Das ist die Rechnung einer Einwanderungspolitik ohne Kontrolle

Nicht jeder Tatverdächtige in Frankfurt (Oder) ist Ausländer, das gehört zur Ehrlichkeit dazu [1]. Aber dass Sozialminister und Innenminister unmittelbar nach der Tat über Schutzstatus, Ausländerbehörde und Abschiebungen sprechen, zeigt, wo sie selbst das Problem verorten [1][3]. Auch in Potsdam musste Innenminister Redmann wegen einer Serie von Gewalttaten durch Jugendgruppen eine eigene Ermittlungsgruppe einsetzen und will Tatverdächtige mit syrischer Staatsangehörigkeit möglichst zurückführen [1].

Das sind keine Zufälle. Seit Jahren kommen Menschen in großer Zahl ins Land, ohne dass der Staat ernsthaft prüft, wer kommt, und ohne dass er durchsetzt, wer gehen muss. Die Folgen landen in den Klassenzimmern und auf den Schulhöfen, und zuerst trifft es die Kinder. Wer Gewalt begeht und hier kein dauerhaftes Bleiberecht hat, muss das Land verlassen. Wer sie als Familie duldet oder fördert, muss mit spürbaren Konsequenzen rechnen. Und wer jugendliche Intensivtäter nur mit Gesprächsangeboten beantwortet, lässt die Opfer allein.

Wer zur Kundgebung aufruft, wird gelöscht

Heute, am 20. Oktober, versammeln sich Bürger auf dem Leipziger Platz in Frankfurt (Oder) unter dem Motto „Schützt endlich unsere Kinder!“ [6]. Auch unser bildungspolitischer Sprecher im Landtag, Dennis Hohloch, hat dazu aufgerufen. Instagram hat diesen Aufruf gelöscht.

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen. Das Gewaltvideo selbst verbreitete sich in den sozialen Netzwerken, obwohl die Polizei davor warnte [2]. Gelöscht wird aber der Aufruf, friedlich für den Schutz von Kindern auf die Straße zu gehen. So viel zur Meinungsfreiheit in diesem Land.

Die Umkehrprobe: Chemnitz und Grevesmühlen

Drehen wir den Fall einmal um. Wie reagiert dieses Land, wenn die Täter Deutsche sind und das Opfer ein Ausländer? Die Antwort kennen wir, denn wir haben sie schon mehrfach erlebt, auch dann, wenn sich die Vorwürfe später als falsch herausstellten.

Im August 2018 wurde in Chemnitz Daniel H. erstochen, tatverdächtig waren Asylbewerber [8]. Auf die anschließenden Demonstrationen reagierten Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Regierungssprecher Steffen Seibert mit dem Vorwurf von „Hetzjagden“ [7]. Das Wort ging um die Welt. Doch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) stellte am 5. September 2018 im Landtag fest: „Es gab keinen Mob, es gab keine Hetzjagd, es gab kein Pogrom in Chemnitz“ [8]. Selbst der Chef der Gewerkschaft der Polizei erklärte, eine Hetzjagd im Wortsinn habe es nicht gegeben [7]. Das Etikett blieb trotzdem an einer ganzen Stadt kleben.

Im Juni 2024 meldete die Polizei, in Grevesmühlen sei einem achtjährigen Mädchen aus Ghana ins Gesicht getreten worden [9]. Innerhalb eines Wochenendes sprach Bundesinnenministerin Nancy Faeser von dumpfem Hass und unfassbarer Unmenschlichkeit, Katrin Göring-Eckardt rief zum „Aufstand der Anständigen“ auf [9]. Am Montag darauf korrigierte die Polizei nach Auswertung von Videos: Das Mädchen hatte keine Verletzungen, die zur ersten Meldung passten. Ein Jugendlicher hatte ihr das Bein in den Weg gestellt und sie mit der Fußspitze getroffen [10]. Fremdenfeindliche Beleidigungen fielen dabei, und die gehören bestraft [10]. Aber der brutale Tritt ins Gesicht, über den das ganze Land sprach, fand so nicht statt.

Was wäre dann hier los?

In Frankfurt (Oder) gibt es keine Unklarheit. Es gibt ein Video, das die Polizei für echt hält, es gibt zehn ermittelte Tatverdächtige und einen verletzten Jungen [1][2]. Und trotzdem hört man von einem drastischen Einzelfall, von Sicherheitsgesprächen und von Prüfaufträgen.

Stellen wir uns vor, zehn deutsche Jugendliche hätten vor einer Schule einen syrischen Jungen umringt und ihm gegen den Kopf getreten, als er schon am Boden lag. Es gäbe Sondersendungen und Sondersitzungen. Die Bundesregierung würde sich noch am selben Tag äußern, Lichterketten würden geplant, Konzerte gegen Rechts organisiert, und eine ganze Stadt würde unter Generalverdacht gestellt. Niemand würde von einem Einzelfall sprechen. Und niemand würde einen Aufruf zur Kundgebung löschen.

Ein Kind, das zusammengetreten wird, ist ein Kind, das zusammengetreten wird. Ich verlange, dass dieser Staat jedes Opfer gleich ernst nimmt. Und ich frage alle, die jetzt schweigen: Was wäre dann hier los?

Quellen

[1] Tagesspiegel (dpa): Video soll Gewaltexzess in Frankfurt (Oder) zeigen: Jugendliche schlagen Schüler zusammen, 16.10.2026. https://www.tagesspiegel.de/potsdam/brandenburg/dpa-polizei-ermittelt-tritte-gegen-den-kopf-jugendliche-schlagen-schuler-zusammen-16169318.html

[2] Ostdeutsche Allgemeine: Brutale Attacke auf Schüler in Frankfurt (Oder): Polizei ermittelt gegen zehn Jugendliche, 16.10.2026. https://ostdeutscheallgemeine.com/article/brutale-attacke-auf-schueler-in-frankfurt-oder-polizei-ermittelt-gegen-zehn-jugendliche-10503091

[3] Berliner Zeitung: Nach Schulattacke in Brandenburg: Innenminister prüft Abschiebungen, 17.10.2026. https://www.berliner-zeitung.de/article/nach-schulattacke-in-frankfurt-oder-innenminister-prueft-abschiebungen-10504637

[4] Gewalt an Cottbuser Schulen: 278 Anzeigen in einem Schuljahr. Gewalt an Cottbuser Schulen: 278 Anzeigen in einem Schuljahr – Lars Schieske

[5] AfD-Fraktion Brandenburg: Kleine Anfrage der Abgeordneten Dennis Hohloch und Lars Schieske: Zunehmende Gewalt an Cottbusser Schulen, 27.12.2023. https://afd-fraktion-brandenburg.de/kleine-anfrage-der-abgeordneten-dennis-hohloch-und-lars-schieske-zunehmende-gewalt-an-cottbusser-schulen/

[6] Rainer Galla (AfD Oder-Spree): Kundgebung „Schützt endlich unsere Kinder!“, 16.10.2026. https://afd-los.de/kundgebung-schuetzt-endlich-unsere-kinder

[7] ORF: Chemnitz kommt nicht zur Ruhe, 08.09.2018. https://orf.at/stories/3008806/

[8] evangelisch.de (epd): Sächsischer Ministerpräsident ruft zum Kampf gegen Rechtsextremismus auf, 05.09.2018. https://www.evangelisch.de/inhalte/152100/05-09-2018/saechsischer-ministerpraesident-kritisiert-afd-und-ruft-zum-kampf-gegen-rechtsextremismus-auf

[9] evangelisch.de (epd): Bestürzung nach mutmaßlich rassistischem Angriff auf zwei Mädchen, 16.06.2024. https://www.evangelisch.de/inhalte/230899/16-06-2024/bestuerzung-nach-mutmasslich-rassistischem-angriff-auf-zwei-maedchen

[10] evangelisch.de (epd): Polizei nennt Details zu Vorfall von Grevesmühlen, 18.06.2024. https://www.evangelisch.de/inhalte/230942/18-06-2024/polizei-nennt-details-zu-vorfall-von-grevesmuehlen

Teile Dich mit! Teile es im Web!

Ähnliche Artikel

Alles Gute zum Schulanfang wünscht euch Lars Schieske.

Newsletter abonnieren und informiert bleiben.