Rheinwiesenlager – früher tabuisiert, heute vergessen?

Ein schwieriger Umgang mit der Geschichte

Wenn es um deutsche Opfer im Zweiten Weltkrieg und dessen Nachgang geht, ist man heute von offizieller Seite meist bemüht, die Zahlen nach unten zu „korrigieren“. Oft ist dann von „Täter-Opfer-Umkehr“ die Rede, oder gar von „Relativierung“. Doch ist es wirklich kritikwürdig, die eigene Geschichte möglichst objektiv betrachten zu wollen und eigene Opfer nicht auszusparen?

Das wohl fragwürdigste Schauspiel spielt sich alljährlich im Februar ab, wenn in Dresden der dortigen Bombenangriffe gedacht wird. Wer dort gedenkt, ohne sich gebetsmühlenartig für die deutsche Geschichte zu entschuldigen, wird sofort mit dem Stempel „rechtsextrem“ versehen.

Weniger bekannt, aber vom Prinzip her ähnlich, sind die sogenannten Rheinwiesenlager und der Umgang mit ihren Toten. Gleich vorweg: Wie viele es genau waren, weiß man nicht, was auch den katastrophalen Zuständen dort geschuldet ist. Doch kann man definitiv sagen, ohne „rechtsextrem“ zu sein: Jeder Tote dort ist vermeidbar gewesen und somit einer zu viel.

Rheinwiesenlager – was hatte es damit auf sich?

Es handelte sich um improvisierte Kriegsgefangenenlager der westlichen Alliierten, eingerichtet meist am linken Rheinufer vor allem auf dem Gebiet des heutigen Bundeslandes Rheinland-Pfalz [1]. Es waren ungefähr 20 Lager, gelegen zwischen Heilbronn und Wesel [2]. Die meisten Lager existierten von April bis September 1945.

Doch einige der Rheinwiesenlager wurden deutlich länger genutzt. Darunter ist das den bezeichnenden Namen „Feld des Jammers“ tragende Lager auf den Gemarkungen der Orte Winzenheim und Bretzenheim in der Nähe von Bad Kreuznach, das erst Ende 1948 geschlossen wurde und wo offiziellen Zahlen zufolge zwischen 3.500 und 4.500 Gefangene starben [3].

Kilometerlang waren hier unzählige Menschen auf engstem Raum eingesperrt, bereits am 8. Mai 1945 befanden sich allein auf dem Bretzenheimer Feld 102.597 Gefangene [4]. Insgesamt wurden bis 1948 zwischen 300.000 und 500.000 Menschen auf dem „Feld des Jammers“ interniert [4].

Katastrophale Lebensbedingungen

Auf Äckern und Wiesenflächen wurden Masten und Stacheldraht errichtet, während die Soldaten gezwungen wurden, ihre Ausrüstung (inklusive ihrer Zelte und Decken) abzugeben. Einige Lager erhielten erst nach mehreren Monaten Latrinen.

Neben Soldaten wurden dort auch „verdächtige Zivilisten“ interniert [5]. Man geht heute offiziell davon aus, dass etwa zwei Millionen Menschen in den Rheinwiesenlagern eingepfercht wurden, wovon die meisten auf der blanken Erde schlafen mussten und viele sich in „Schlaflöchern“ eingruben [6]. Andere Schätzungen gehen von deutlich höheren Zahlen aus.

Die Lager waren geprägt von Hunger, Krankheiten und unzureichenden hygienischen Verhältnissen [5]. Nur mit dem Chloren des Trinkwassers und systematischen Entlausungsmaßnahmen konnte der Ausbruch von Seuchen verhindert werden. Versuche des Internationalen Roten Kreuzes, die Lebensbedingungen der Internierten zu verbessern, wurden von den Alliierten unterbunden. Auch Anwohnern aus der unmittelbaren Umgebung der Lager war es strengstens verboten, Brot oder Kartoffeln über den Zaun zu werfen [4].

Versagen und Verbrechen der Alliierten

Weil zum Ende des Kriegs auf dem europäischen Festland ein eklatanter Mangel an Nahrung herrschte, hatten die westlichen Alliierten eigentlich geplant, die deutschen Kriegsgefangenen in die USA oder nach Großbritannien zu verbringen [1]. Doch von diesem Plan hatte man schnell Abstand genommen, hatten doch allein die USA rund vier Millionen deutsche Soldaten in Kriegsgefangenschaft genommen, die Briten etwa 3,7 Millionen und die Franzosen weitere 245.000 Mann [1].

Angeblich war man mit der Versorgung der Gefangenen überfordert [4]. Schon in den Niederlanden hatte eine Hungersnot im Winter 1944/1945 20.000 Tote verursacht [1]. Allerdings betrieb man erheblichen Aufwand für die Bewachung der Lager. Die für die Lager zuständige 106. US-Division wurde nach und nach durch zahlreiche Versetzungen auf eine Stärke von 40.000 Mann erweitert, die bei weitem größte Division der US-Armee [1]. Die Amerikaner hatten die Rheinwiesenlager rechtlich als „Durchgangslager“ eingestuft, wodurch sie sich nicht an die Regeln der Genfer Konvention für Kriegsgefangene gebunden fühlten [7].

Viele Internierte fanden den Tod. Das wechselhafte Wetter tat sein Übriges. Die ersten Monate des Jahres waren sehr trocken, weshalb die Böden austrockneten, doch die Monate, als die Lager errichtet wurden, waren sehr niederschlagsreich, was die trockenen Böden in Schlammwüsten verwandelte [1]. Tausende verhungerten, erlagen Verletzungen oder Infektionen, nicht wenige ertranken sogar in Erdlöchern [6].

Einige Lager wurden zwischenzeitlich von den Franzosen übernommen, was vielerorts zu einer Verschärfung der Lage führte, da oft frühere Widerstandskämpfer und KZ-Häftlinge den Wachdienst übernahmen, was nicht selten zu Übergriffen führte [7]. Für viele Kriegsgefangene ging nach Schließung der Lager das Martyrium als Zwangsarbeiter in Frankreich weiter.

Fragwürdige Zahlen – fehlendes Gedenken

Offizielle Zahlen gehen von 5.000 bis 40.000 Toten aus. Doch allein diese starken Abweichungen in den Schätzungen zeigen schon, dass hier erheblicher Forschungsbedarf besteht. Bereits in den 60er und 70er Jahren gab es intensive Forschungen zu dem Thema, doch politische Entscheidungen führten dazu, dass ihre Ergebnisse nicht in der Öffentlichkeit verbreitet wurden [8]. Die Rheinwiesenlager waren in der Nachkriegszeit ein Tabu, man wollte die „Freunde“ aus Übersee nicht verprellen [4].

Heute, mehr als 80 Jahre später, ist es unser gutes Recht, auch die Bedingungen in Erinnerung zu rufen, unter denen unsere Landsleute nach dem Zweiten Weltkrieg zu (über)leben hatten. Viele Zeitzeugen gibt es nicht mehr, drum ist es Zeit, dass die junge Generation das Andenken der Toten in Ehren hält.

Sie haben es nicht verdient, einfach vergessen zu werden, nur weil sie Deutsche waren.

Quellenverzeichnis

[1] „Mit 7,7 Millionen Kriegsgefangenen hatte niemand gerechnet“, www.welt.de, 7. Mai 2020
[2] „Die Toten der Rheinwiesenlager: Gefangenenlager beschäftigen bis heute“, www.rhein-zeitung.de, 9. November 2016
[3] „Feld des Jammers“, https://de.wikipedia.org/wiki/Feld_des_Jammers, abgerufen am 19. März 2026
[4] „Verfluchte Felder“, www.abendblatt.de, 22. November 2009
[5] „Nachprüfbare Fakten zu Rheinwiesenlagern genannt“, kreis-ahrweiler.de, 10. Juli 2015
[6] „Erinnern mit Fakten, Lernen durch Bildung“, www.volksbund.de, 16. April 2020
[7] „Franz Krämer sprach beim Denkmalverein über den Soldatenfriedhof in Bad Bodendorf“, museum-sinzig.de, Oktober 2015
[8] „Kriegsgefangenschaft in den Rheinwiesenlagern (1945 bis 1948)“, https://www.lpb.rlp.de, abgerufen am 19. März 2026

Bombenangriff auf Cottbus am 15. Februar 1945– den Opfern ein würdiges Gedenken!

Der 15. Februar 1945: Ein Einschnitt für die Stadt

Es gibt Momente, die innerhalb weniger Minuten für tausende Menschen das gesamte weitere Leben verändern. Für Cottbus war ein solcher Moment die Mittagszeit des 15. Februar 1945, als ein amerikanischer Bomberverband die Stadt erreichte und seine todbringende Ladung über weiten Teilen der Stadt abwarf. Mehr als 400 US-Bomber waren im Einsatz [1]. Insgesamt fielen ca. 1.064 Tonnen Bomben auf die Stadt [2].

Der Ablauf des Bombardements

Das Bombardement dauerte nur etwas mehr als eine halbe Stunde. Gegen 11.51 Uhr treffen die ersten Bomben den Bahnhof, der das Hauptziel der Angreifer ist. Auch die Lutherkirche brennt vollständig aus. Besonders dramatisch: Das Operationshaus des Krankenhauses wird komplett zerstört, alle zu diesem Zeitpunkt dort tätigen Ärzte und Schwestern sterben.

Auf dem Bahnhof stehen Lazarettzüge und Waggons mit Vertriebenen aus Schlesien und Ostbrandenburg. In unmittelbarer Nähe befinden sich Güterzüge mit Munition. Als ein solcher Munitionszug getroffen wird, hört man dies im gesamten Stadtgebiet. Die Explosion und die Druckwelle zerstörten zahlreiche Häuser in der näheren Umgebung.

Für die Vertriebenen und Verwundeten auf dem Bahnhof gab es kein Entkommen. Phosphorbomben sorgten für ein Feuerinferno. Der Geruch verbrannter Menschen lag noch mehrere Tage danach in der Stadt. Viele Cottbuser konnten sich nur retten, weil sie es rechtzeitig in einen Luftschutzkeller schafften. Die letzten Bomben gingen gegen 12:25 Uhr auf den Branitzer Park und auf Sandow nieder [2].

Die Folgen des Angriffs

Das Resultat: Rund 1.000 Tote, etwa 2.500 Verletzte und mehr als 13.000 Cottbuser, die nach dem Angriff obdachlos waren [2]. Das Ausmaß wird deutlich, wenn man sich vergegenwärtigt, dass Cottbus zu Kriegsbeginn etwa 56.000 Einwohner hatte [3]. Außerdem wurden 145 Industriebetriebe durch den Bombenhagel zerstört [1].

Historischer Kontext

Auch wenn es seit dem Jahr 1940 immer wieder Fliegeralarm gab, blieb eine großflächige Bombardierung der Stadt bis fast zum Kriegsende aus. Doch in den letzten Kriegsmonaten gingen die Alliierten vermehrt zum sogenannten „Moral Bombing“ über, also der gezielten Bombardierung von Wohngebieten, um die Moral und den Durchhaltewillen der Zivilbevölkerung zu brechen.

Viele Städte in Deutschland wurden durch diese Flächenbombardements systematisch zerstört. Neben unermesslichem menschlichem Leid führten diese Angriffe zur Vernichtung von kulturellen Werten in beispiellosem Ausmaß.

Erinnerung und Verantwortung

Wenn wir heute in Cottbus der schrecklichen Ereignisse des 15. Februar 1945 gedenken, dann erinnern wir vor allem an die, die damals ihr Leben verloren. Aber auch an die, die überlebten und diesen Tag nie wieder vergessen konnten.

Einige Zeitzeugen leben noch, noch können sie berichten. Wenn sie es eines Tages nicht mehr können, ist es unsere Aufgabe, die Erinnerung an das Bombeninferno in Cottbus wach zu halten.


Quellenverzeichnis

[1] „Cottbus hat der Opfer der US-Bombenangriffe mit etwa 1.000 Toten vor 80 Jahren gedacht“, www.deutschlandfunk.de, 16. Februar 2025

[2] „Bombardierung von Cottbus“, www.stadtmuseum-cottbus.de, Aufruf am 10. Februar 2026

[3] „Zeitzeugen erinnern sich an verheerenden US-amerikanischen Luftangriff 1945“, www.katholische-sonntagszeitung.de, 8. Mai 2025

Der Untergang der „Wilhelm Gustloff“ – die größte Schiffskatastrophe der Weltgeschichte

Wenn es um die Frage geht, welches das größte Schiffsunglück der Weltgeschichte war, werden wohl viele auf Anhieb auf die „Titanic“ tippen, die auf ihrer Jungfernfahrt im Jahr 1912 einen Eisberg rammte und mit rund 1.500 Seelen im Atlantik verschwand. Das dürfte vor allem an der noch immer starken medialen Präsenz und der Verarbeitung durch Hollywood-Produktionen liegen. Es ist aber falsch.

Die größte Schiffskatastrophe der Geschichte ereignete sich am 30. Januar 1945 in der Ostsee, als die „Wilhelm Gustloff“ von einem sowjetischen U-Boot torpediert wurde und sank. Das frühere Kreuzfahrtschiff wurde kurzerhand als Lazarett- und Evakuierungsschiff umfunktioniert und sollte Vertriebene und Verwundete aus dem deutschen Osten vor der heranrückenden Roten Armee retten. Zeitweise diente es für Militäreinheiten, die U-Boot-Besatzungen ausbildeten, als schwimmende Kaserne [1]. Im Rahmen der von der Kriegsmarine organisierten Massenevakuierung über die Ostsee konnte in den letzten Monaten Hunderttausenden das Leben gerettet werden.

Drei sowjetische Torpedos trafen wenige Stunden nach dem Auslaufen von Gotenhafen (heute Gdynia) in der Danziger Bucht das völlig überfüllte Schiff [2]. Die „Gustloff“ war nur für etwa 1.400 Personen gebaut und zugelassen worden [3].

Viele Personen konnten aufgrund der Hektik nicht registriert werden. Kurz vor der Abfahrt kamen mit einem anderen Schiff aus dem ostpreußischen Pillau noch mehrere hundert Personen an, die eilig an Bord genommen wurden [4]. Auch sie konnten nicht mehr ordnungsgemäß erfasst werden und campierten auf den Gängen, was später das Chaos noch verschlimmern sollte.

Schätzungen gehen von 10.500 Menschen aus, die zum Zeitpunkt der Katastrophe an Bord waren [2]. Davon waren 2.500 Militärangehörige und 8.000 Zivilisten [5]. Kurz nach Mittag lief die „Gustloff“ aus und man wählte bewusst die Fahrt über die offene See, um möglichen Minen im flacheren Gewässer ausweichen zu können [1].

Millionen Deutsche aus den Ostgebieten waren aus ihrer Heimat vertrieben worden und hatten all ihr Hab und Gut verloren. Etwa 120.000 Menschen befanden sich im Januar 1945 in Gotenhafen und hofften, mit einem der Schiffe das eigene Leben und das der Familie doch noch retten zu können [3].

Besonders tragisch: Für die Evakuierung waren vor allem Mütter mit mehr als drei Kindern bevorzugt berücksichtigt worden [2]. Ihnen konnte man den langen und brutalen Flüchtlingstreck zu Fuß am wenigsten zumuten. Das hatte zur Folge, dass mehr als 5.000 Kinder in der eiskalten Ostsee ertranken [3]. Insgesamt geht man von mehr als 9.000 Personen aus, die den Untergang nicht überlebten [6].

Für die meisten war, 60 Kilometer von der Küste entfernt, keine Rettung möglich, obwohl noch in der Nacht neun andere Schiffe herbeieilten. Lediglich 1.200 Menschen konnten gerettet werden.  

Die Situation auf dem Schiff ist kaum vorstellbar. Unzählige fallen ins Wasser, erfrieren bei minus 20 Grad Außentemperatur innerhalb kürzester Zeit. Vor allem Schwächere werden in der Massenpanik totgetrampelt, weil die wenigen Ausgänge komplett verstopft sind. Viele schaffen es gar nicht mehr nach draußen und werden mit dem Schiff in die Tiefe gerissen.

Leider ist das Schicksal dieser Menschen heute kaum Inhalt des Geschichtsunterrichts. Auch in den großen Medien ist die Erinnerung bestenfalls eine Randnotiz. Es gibt kaum noch Überlebende, die berichten können.

Die Toten haben aber das Recht, dass man sie nicht vergisst. Der Abschuss der „Wilhelm Gustloff“, die am 30. Januar 1945 nicht in militärischer Mission unterwegs war, sondern tausende Mütter und Kinder retten sollte, war ein Kriegsverbrechen, an das man heute erinnern sollte.

Quellenverzeichnis

[1] „Schlimmster Untergang aller Zeiten: Ein Aufschrei – und dann war alles still“, www.geo.de, 30. Januar 2025

[2] „Als die „Wilhelm Gustloff“ versenkt wurde“, www.deutschlandfunk.de, 30. Januar 2020

[3] „“Wilhelm Gustloff“: „Die Flüchtlinge nahmen mit, was sie tragen konnten““, www.ndr.de, 31. Januar 2025

[4] „“Wilhelm Gustloff“: „10.000 Menschen wollten gleichzeitig nach oben““, www.ndr.de, 31. Januar 2025

[5] „Vor 80 Jahren: Als die Ostsee zum Massengrab wurde“, www.volksbund.de, 29. Januar 2025

[6] „“Gustloff“-Untergang: „Da denk‘ ich heute noch mit Grausen dran““, www.ndr.de, 29. Januar 2025

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