Neues Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler

Unser Geld wird auf allen Ebenen verschwendet

Eigentlich wäre es ein alljährlicher Grund für große Belustigung, was der Bund der Steuerzahler in seinem Schwarzbuch aufführt. Aber das Lachen bleibt im Halse stecken, wenn man sich dann wieder daran erinnert, dass man selbst derjenige ist, der diese kuriosen Fälle von Steuergeldverschwendung – zumindest anteilig – bezahlt. Dem Bund der Steuerzahler gebührt das Verdienst, besonders brisante Fälle von Steuergeldverschwendung und Zweckentfremdung öffentlicher Gelder anzuprangern.

Zu Beginn dieses Jahres hatten wir über die größten „Klopper“ des letzten Schwarzbuchs berichtet. Den Link zum Beitrag finden Sie hier: https://lars-schieske.de/fokusbeitrag/dokument-des-deutschen-staatsversagens/

Förderprogramme sind oft vergiftete Geschenke und setzen Fehlanreize

Auch in diesem Jahr lohnt sich die Lektüre. Ein Schwerpunkt des diesjährigen Schwarzbuchs liegt auf der Förderpolitik. Der Vorsitzende des Bundes der Steuerzahler NRW, Rik Steinheuer, merkt dazu an: „Ein Platz, ein Gebäude oder eine Infrastrukturmaßnahme sollte nicht deshalb attraktiv erscheinen, weil gerade ein Fördertopf verfügbar ist. Auch Fördergeld ist Steuergeld“ [1].

Die Rede ist in diesem Zusammenhang von „vergifteten Geschenken“, da Fristen oft den Ausschlag geben und öffentliche Mittel nicht selten nur deswegen ausgegeben werden, weil der Fördertopf ansonsten „verfallen“ würde [2]. Laut dem Präsidenten des Bundes der Steuerzahler, Reiner Holznagel, habe es „fatale Folgen, wenn über Ausgaben nicht konsequent nach Bedarf, Wirtschaftlichkeit und Wirkung entschieden wird“ [3].

Im Schwarzbuch wird die frühere Vorsitzende des Normenkontrollrats Baden-Württemberg, Gisela Meister-Scheufelen, wie folgt zitiert: „Förderpolitik ist häufig die politische Spielwiese der einzelnen Abteilungen im Kampf um die eigene Daseinsberechtigung – ohne Transparenz und ohne Wirkungskontrolle“ [4]. Darüber hinaus wird von den Autoren des Schwarzbuchs kritisiert, dass Förderprogramme oft unklare Verantwortlichkeiten und überzogene Vorstellungen mit sich bringen, zeitgleich falsche Anreize setzen und Mitnahmeeffekte zur Folge haben [4].

Der folgende Beitrag kann nur beispielhaft aufführen, was sich Behörden, Ministerien und kommunale Eigenbetriebe wieder „geleistet“ haben. Aber die Beispiele zeigen auf, wie gedankenlos und vor allem unverantwortlich oft mit unseren Geldern umgegangen wird.

Kostenexplosion aufgrund fehlender Steuerung und Kontrolle

Ein besonders bedenkliches Beispiel für fehlgeleitete Förderpolitik liefert das Land Niedersachsen. So sollte die beschädigte Friesenbrücke im Landkreis Leer aufgrund ihrer Wichtigkeit schnell ersetzt werden. Der ursprüngliche Kostenpunkt belief sich auf 30 Millionen Euro. Doch lokale Akteure buhlten um Fördergelder, indem sie einen Plan für eine aufwendige Hub-Drehbrücke kreierten. Dumm nur, dass es nun nicht schnell ging, sondern mehr als zehn Jahre dauerte, und die Kosten sich nicht auf 30, sondern auf mindestens 277 Millionen Euro belaufen werden [5].

Ein ähnlicher Fall spielte sich in Schleswig-Holstein ab. Die dortigen Planungen für die Schleibrücke bei Lindaunis sind mittlerweile 20 Jahre alt, seither haben sich zahlreiche Vorschriften und Erkenntnisse geändert, weshalb die Planung immer wieder nachjustiert werden musste – ebenfalls die Kostenkalkulation, die von anfänglichen 40 Millionen Euro auf mindestens 246 Millionen Euro explodiert ist [4].

Ein neues Freibad, das von der Stadt Oldenburg bereits im Jahr 2019 beschlossen wurde und planmäßig 20 Millionen Euro kosten sollte, wird nach derzeitigen Schätzungen aufgrund von Planänderungen, schlechter Steuerung und fehlender Kostenkontrolle mindestens 82 Millionen Euro kosten – mit der Eröffnung ist darüber hinaus erst in einigen Jahren zu rechnen [5].

Auch Hamburg hat es wieder ins Schwarzbuch „geschafft“. Eine Müllverwertungsanlage der Stadtreinigung, die seit Jahren in der Kritik steht, soll mit 780 Millionen Euro mehr als dreimal so viel kosten wie ursprünglich geplant war [6].

In der Region Berlin-Brandenburg macht wieder einmal der BER Schlagzeilen. Diesmal geht es allerdings um den dort geplanten Regierungsflughafen, dessen Kosten sich noch in der Planungsphase auf 344 Millionen Euro beliefen, während nun mit Kosten in Höhe von 2,5 Milliarden Euro gerechnet wird [7].

Nicht nur teuer, sondern auch noch nutzlos

Ein weiteres Beispiel für Fehlplanung in Hamburg ist der Oberhafentunnel für Fußgänger in der Hafencity, der mit 28 Millionen Euro nicht nur fast doppelt so teuer wie die ursprüngliche Planung ausfällt, sondern bei dem die jährlichen Kosten laut Rechnungshof den errechneten Nutzen übersteigen werden [6].

Noch absurder ist in der Hansestadt eine unterirdische öffentliche Toilette für zwei Millionen Euro, die bereits nach dreimonatiger Nutzung aufgrund eines Wasserschadens geschlossen werden musste und nicht mehr zu retten ist – für die Sanierung müsste man Teile der Innenstadt lange sperren, die Toilette soll nun zugeschüttet werden [8].

Da wir in diesem Jahr einmal mehr einen „Jahrhundertsommer“ hatten, sind viele Städte und Gemeinden um Hitzeschutz bemüht. Dem ist grundsätzlich kaum etwas entgegenzuhalten, wenn er denn zumindest seinen Zweck erfüllen würde. In Stuttgart hat man das Kunststück fertiggebracht, Segel und Sonnenschirme für 350.000 Euro unter anderem unter einer riesigen Platane zu platzieren [2]. Vielleicht dachte man sich: Doppelt hält besser.

Es braucht nicht nur Hitzeschutz, auch Hochwasserschutz ist wichtig, hatte man sich im hessischen Neu-Anspach überlegt und pflanzte fünf (!) Bäume für 100.000 Euro – die Maßnahme wurde großzügig vom Bund mit 80.000 Euro bezuschusst [4].

Verkehrswende absurd

In der Stadt Bielefeld hat man sich ganz moderne Wasserstoff-Müllwagen für schlappe 7,5 Millionen Euro gegönnt, aber vergessen, dafür geeignete Betankungsmöglichkeiten zu schaffen. So mussten die Wagen 70 Kilometer in eine andere Stadt fahren, weil die vorhandenen Tankstellen nur für Busse ausgelegt waren [1]. Nach dem Chaos hat man sich nun in Bielefeld entschieden, die teuren Wasserstoff-Müllwagen durch batterieelektrische Fahrzeuge zu ersetzen [1]. Verkehrswende absurd.

Im pfälzischen Frankenthal hat man für 1,3 Millionen Euro einen elf Meter hohen Fahrradturm errichtet, in dem 96 Fahrräder abgestellt werden können, umgerechnet also rund 13.500 Euro pro Stellplatz, mit einem geschätzten jährlichen Betriebsdefizit in Höhe von 30.000 Euro [4].

Gut gemeint, schlecht gemacht

Attendorn im Sauerland kaufte laut Jahresabschluss für 11,3 Millionen Euro marode Fabrikhallen, um darauf einen Gründer-Campus zu schaffen. Der Bodenrichtwert lag bei 55 Euro, der Kaufpreis bei 600 Euro pro Quadratmeter. Doch der Campus entsteht nun woanders, der Stadt bleiben zuzüglich zum Kaufpreis die Abrisskosten und eine darüber hinaus mögliche Altlastensanierung [1].

Dass Deutschland die Digitalisierung im internationalen Vergleich weitgehend verschlafen hat, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Dagegen wird zum Glück vielerorts eine Menge unternommen. So haben Lehrkräfte in Schleswig-Holstein 35.000 neue digitale Endgeräte (also Laptops und Tablets) erhalten, um sie für einen modernen und zeitgemäßen Unterricht zu nutzen. Nun hat sich leider herausgestellt, dass etwa ein Drittel der Geräte noch nie eingeschaltet wurden – laut dem Bund der Steuerzahler „6,7 Millionen Euro Steuergeld für nicht genutzte Technik“ [2].

Eine Milliarde für den Bundespräsidenten

Doch nicht nur auf den unteren Ebenen wird kräftig Geld verpulvert. Auch für das Staatsoberhaupt muss der Steuerzahler die Spendierhosen anziehen. Der Bundespräsident und seine Nachfolger residieren während der Generalsanierung vom Schloss Bellevue (die 860 Millionen Euro verschlingen soll) in einem Interimsquartier, das wiederum 205 Millionen gekostet hat [4]. In Summe kostet uns das Ganze also mehr als eine Milliarde Euro.

Verschwendung stoppen – Haftungspflicht für politische Entscheider!

Insgesamt listet das Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler 100 unterschiedliche Beispiele für sorglosen Umgang mit Steuergeldern auf allen politischen Ebenen auf. Nur einige Beispiele konnten hier aufgeführt werden, doch es sollte klar geworden sein, dass es neben dem Bund der Steuerzahler auch wachsame Bürger und Oppositionspolitiker braucht, die auf Steuergeldverschwendung immer wieder aufmerksam machen.

Man könnte nun sagen: Fehler passieren und wo gehobelt wird, da fallen Späne. Aber das Problem liegt woanders. In unserem Land kann man sich zu leicht aus der Verantwortung stehlen. Große Projekte dauern Jahre, bis der Schaden bekannt wird, ist die Wahlperiode der Amtsträger längst beendet. Die Entscheidungsträger sind nicht selten längst im Ruhestand oder auf einem anderen gut bezahlten Posten.

Der organisierten Verantwortungslosigkeit könnte man entgegenwirken, indem man gesetzliche Haftungspflichten auch für politische und behördliche Entscheidungsträger einführt. Das hätte einerseits zur Folge, dass man riskante Entscheidungen genauer prüft und im Zweifel bleiben lässt. Andererseits hätte dies eine präventive Wirkung bei der Personalauswahl. Nur wer sich selbst verantwortungsbewusstes Handeln zutraut, würde sich noch für ein öffentliches Leitungsamt bewerben.

Die heutige Negativauslese würde der Vergangenheit angehören.

Quellen

[1] „Bund der Steuerzahler rügt Verschwendungsfälle in NRW”, WDR, 1. Oktober 2026, www1.wdr.de

[2] „Diese Fälle hält der Steuerzahlerbund für Geldverschwendung”, ZDFheute, 1. Oktober 2026, zdfheute.de

[3] Bund der Steuerzahler: „Das neue Schwarzbuch ist da!”, 1. Oktober 2026, steuerzahler.de

[4] Bund der Steuerzahler: „Das Schwarzbuch – Die öffentliche Verschwendung 2026/27″ (PDF), steuerzahler.de

[5] „Steuerverschwendung: Spa und Friesenbrücke im neuen Schwarzbuch”, NDR, 1. Oktober 2026, ndr.de

[6] Schwarzbuch online: „Millionentunnel ohne Nutzen-Nachweis”, schwarzbuch.de; ergänzend: „Steuerverschwendung in Hamburg: Diese zehn Fälle stehen im Schwarzbuch”, entwicklungsstadt.de

[7] „Neues Schwarzbuch ist da: Hier verbrennt der Staat Milliarden an Steuergeld”, t-online, 1. Oktober 2026, t-online.de

[8] „Hamburg: Teure Toilette an der Mönckebergstraße wird zugeschüttet”, t-online, Oktober 2025, hamburg.t-online.de

Kommunen am Limit: Cottbus zeigt, wohin falsche Politik führt

Ein Rekorddefizit mit Ansage

Am vergangenen Freitag legte die Bertelsmann Stiftung ihren Kommunalen Finanzreport 2026 vor. Das Ergebnis ist ein Alarmsignal: Die deutschen Kommunen haben 2025 ein Rekorddefizit von fast 32 Milliarden Euro angehäuft, ihre Gesamtverschuldung stieg auf fast 200 Milliarden Euro. Gleichzeitig wächst der kommunale Investitionsrückstand weiter. Das KfW-Kommunalpanel 2026 beziffert ihn bundesweit auf 231,2 Milliarden Euro. Die größten Rückstände liegen bei Schulen mit 68,9 Milliarden Euro und bei Straßen mit 53,7 Milliarden Euro. Das ist keine abstrakte Statistik. Das ist der Zustand unseres Landes vor der Haustür: marode Schulen, kaputte Straßen, überlastete Verwaltungen, zu wenig Spielraum für Kitas, Sport, Feuerwehr, Katastrophenschutz und öffentliche Sicherheit. [1] [2]

Cottbus steht beispielhaft für die kommunale Schieflage

Cottbus ist ein konkretes Beispiel dafür, wie die falschen Entscheidungen von Bund und Land in den Kommunen ankommen. Im Bericht des Oberbürgermeisters vor der Stadtverordnetenversammlung am 19. November 2025 heißt es unmissverständlich: Das Geld reicht „vorn und hinten nicht“. Der OB verweist auf einen deutschlandweiten Aufschrei der Kommunen, weil Brücken zusammenbrechen, Schulen, Kitas und Sporthallen verschleißen, Straßen und Wege nicht ausreichend repariert oder neu gebaut werden und die Kosten für in Not geratene Familien aus dem Ruder laufen. Dann folgt der entscheidende Satz für Cottbus: Man müsse nur den eigenen „Invest-Stau von ca. 1 Milliarde Euro in sozialer und verkehrlicher, also insgesamt baulicher Infrastruktur“ dagegenhalten, um zu wissen, wie weit die angekündigten Mittel reichen. [3]

Eine Milliarde Euro Investitionsstau betrifft jeden Bürger

Diese Milliarde ist mehr als nur eine Haushaltszahl. Sie zeigt, dass die Wähler bei Landtags- und Bundestagswahlen immer auch über die Zukunft ihrer Städte entscheiden. Denn Cottbus kann Straßen, Brücken, Kitas, Schulen, Horte, Sporthallen und Einrichtungen der Daseinsvorsorge nicht aus eigener Kraft in Ordnung bringen, wenn Bund und Land ständig neue Aufgaben übertragen, Standards erhöhen und Kosten auslösen, ohne die Kommunen vollständig auszufinanzieren. Der Oberbürgermeister spricht ausdrücklich von einem Investitionsstau von rund 1 Milliarde Euro in sozialer und verkehrlicher, also insgesamt baulicher Infrastruktur. Direkt im selben Zusammenhang verweist er auf Brücken, Schulen, Kitas, Sporthallen, Straßen und Wege. Dahinter stehen ganz konkrete Lebensbereiche der Bürger: die Kita, in die Eltern ihre Kinder bringen; die Schule, in der Unterricht stattfinden soll; die Straße, über die Handwerker, Rettungsdienste und Familien jeden Tag fahren; die Brücke, die sicher sein muss; und die Sporthalle, die Vereine, Schulen und Ehrenamt dringend brauchen. [3]

Der Haushalt 2026 zeigt die Grenzen der Stadt

Gleichzeitig zeigt der Haushaltsplan 2026 der Stadt Cottbus, wie eng der finanzielle Spielraum vor Ort geworden ist. Für 2026 werden Erträge aus laufender Verwaltungstätigkeit von 520,686 Millionen Euro veranschlagt. Dem stehen Aufwendungen aus laufender Verwaltungstätigkeit von 570,048 Millionen Euro gegenüber. Allein die Transferaufwendungen liegen bei 260,052 Millionen Euro. Das Jahresergebnis 2026 wird mit minus 34,621 Millionen Euro ausgewiesen. Während Cottbus also ein deutliches Minus plant und gleichzeitig einen Investitionsstau von rund 1 Milliarde Euro vor sich herschiebt, entscheidet die Bundespolitik an anderer Stelle über Milliardenbeträge, die nicht in unseren Kommunen ankommen. [4]

Sinkende Zuweisungen, steigende Pflichtausgaben

Noch klarer wird es bei den Abweichungen gegenüber der bisherigen Mittelfristplanung. Die Stadt rechnet für 2026 mit 25,1 Millionen Euro weniger Zuwendungen und Umlagen als zuvor geplant. Hauptgrund sind um 28,1 Millionen Euro geringer ausfallende Schlüsselzuweisungen des Landes. Gleichzeitig steigen die Kostenerstattungen und Kostenumlagen vor allem deshalb, weil höhere Transferleistungen von Bund und Land erwartet werden; Ursache sind gestiegene Aufwendungen für Grundsicherungen und Hilfen zum Lebensunterhalt. Auch die Transferaufwendungen selbst steigen um 11,9 Millionen Euro gegenüber der Vorjahresannahme, vor allem wegen steigender sozialer Leistungen, Eingliederungshilfe, Pflege und Grundsicherung. Kurz gesagt: Die Pflichtausgaben drücken, die Landeszuweisungen sinken, der Investitionsstau bleibt. [5]

Die Schuldenlage ist nicht zu beschönigen

Die Schuldenlage ist ebenfalls nicht zu beschönigen. Die Verbindlichkeiten aus Kreditaufnahmen für Investitionen und Investitionsförderungsmaßnahmen lagen zum 31.12.2024 bei 22,227 Millionen Euro, steigen zum 31.12.2025 planmäßig auf 38,965 Millionen Euro und sollen zum 31.12.2026 nach Tilgung bei 33,995 Millionen Euro liegen. Hinzu kommen für 2026 geplante Kassenkredite von 1,307 Millionen Euro sowie kreditähnliche Rechtsgeschäfte von 4,024 Millionen Euro. Die Stadt plant für 2026 keine neuen Investitionskredite, muss aber 4,971 Millionen Euro tilgen. [6]

Das ist wichtig: Cottbus ist nicht deshalb in Schwierigkeiten, weil vor Ort zu wenig über „Sparsamkeit“ geredet wird. Cottbus ist in Schwierigkeiten, weil Bund und Land über Jahre Aufgaben ausweiten, Standards erhöhen und Kosten auslösen, ohne den Kommunen dauerhaft die nötigen Mittel mitzugeben. Das Konnexitätsprinzip muss wieder gelten: Wer bestellt, bezahlt. Genau das fordert die AfD auf allen Ebenen.

Geld für die Ukraine ist da, für die Kommunen angeblich nicht

Besonders deutlich wird diese Schieflage am Beispiel Ukraine. Nach Angaben der Bundesregierung sind im Bundeshaushalt 2026 rund 11,5 Milliarden Euro Militärhilfe für die Ukraine vorgesehen. Das Auswärtige Amt beziffert die deutsche Unterstützung seit Kriegsbeginn auf rund 41 Milliarden Euro zivile Unterstützung sowie rund 55,5 Milliarden Euro militärische Unterstützung, die geleistet beziehungsweise für die kommenden Jahre bereitgestellt wurde. Hinzu kommen deutsche Beiträge über europäische Instrumente: Für die Europäische Friedensfazilität wurden deutsche Pflichtbeiträge in Höhe von 645 Millionen Euro bereits gezahlt; außerdem hat Deutschland Waffenlieferungen aus US-Beständen über den NATO-PURL-Mechanismus mit bislang 700 Millionen US-Dollar finanziert. Zusätzlich einigten sich die europäischen Regierungschefs im Dezember 2025 darauf, der Ukraine für die Jahre 2026 und 2027 ein EU-Darlehen von 90 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen. [16] [17]

Genau hier liegt der politische Kern: Geld ist offenbar vorhanden, wenn es um Ausgaben in alle Welt und speziell um die Ukraine geht. Wenn aber Cottbus, Spree-Neiße und andere Kommunen ihre Schulen, Kitas, Straßen, Brücken, Sportstätten und Verwaltungen sanieren müssen, heißt es plötzlich, die Mittel seien knapp. Diese Prioritätensetzung ist falsch. Wer vor Ort marode Infrastruktur, steigende Gebühren, überlastete Verwaltungen und fehlende Investitionen erlebt, muss wissen: Diese Entwicklung wird nicht nur im Rathaus entschieden. Sie wird auch im Landtag und im Bundestag entschieden. Dort wird festgelegt, ob Steuergeld zuerst den eigenen Bürgern, den Kommunen und der Daseinsvorsorge dient – oder ob es für fremde Interessen, ideologische Projekte und internationale Verpflichtungen gebunden wird.

Falsche Förderpolitik: Große Ankündigung, geringe Wirkung

Auf diese falsche Förderpolitik habe ich bereits vor einiger Zeit hingewiesen. In meinem Beitrag „Ein Programm mit großer Ankündigung, aber geringer Wirkung“ habe ich am Beispiel des Bundesprogramms „Sanierung kommunaler Sportstätten“ gezeigt, wie groß die Lücke zwischen politischer Ankündigung und tatsächlicher Wirkung ist. Bundesweit standen 3.684 Interessenbekundungen mit einem Förderbedarf von über 7,5 Milliarden Euro lediglich 333 Millionen Euro Programmmitteln gegenüber. Das Programm war damit um das 23-fache überzeichnet. Für unsere Region war das besonders bitter: In Cottbus und im Spree-Neiße-Kreis wurde kein einziges Projekt berücksichtigt. Genau so entsteht das Gefühl, dass vor Ort gespart wird, während an anderer Stelle Milliarden bereitstehen.

Die AfD in Cottbus setzt andere Prioritäten

Auf kommunaler Ebene hat die AfD-Fraktion Cottbus mit AT-07/25 beantragt, finanzielle Mittel aus dem Strukturstärkungsgesetz für die Sanierung von Kitas einzusetzen. Das ist genau der richtige Schwerpunkt: Geld aus dem Strukturwandel muss zuerst dort wirken, wo Familien, Kinder und die kommunale Infrastruktur unmittelbar betroffen sind. Außerdem hat die AfD-Fraktion mit AT-12/25 eine Arbeitsgruppe „Personalentwicklung in der Verwaltung der Stadt Cottbus“ beantragt. Denn eine Kommune braucht eine leistungsfähige Verwaltung, aber eben keine ausufernde Bürokratie ohne Prioritätensetzung. Bereits im Antrag AT-038/23 hatte die AfD-Fraktion auf die Überlastung der Kommune durch Aufnahme, Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen hingewiesen und ausdrücklich auf knappen Wohnraum, ausgeschöpfte Kapazitäten in Kitas und Schulen, eine angespannte ärztliche Versorgung und den Investitionsstau verwiesen. Auch der Änderungsantrag AT-42/24 zur Ukraine-Resolution stellte die kommunalen Belastungsgrenzen bei Aufnahme und Versorgung in den Mittelpunkt. [7] [8] [9] [10]

Brandenburgs Kommunen brauchen Konnexität statt leere Versprechen

Auf Landesebene hat die AfD-Fraktion im Landtag Brandenburg im Dezember 2025 zwei zentrale Anträge eingebracht. Drucksache 8/2152 fordert eine Bundesratsinitiative zur Verbesserung der Finanzen der Kommunen durch eine Neuverteilung der Einkommensteuereinnahmen. Der Antrag verweist darauf, dass die allgemeine Verschuldung der Brandenburger Gemeinden und Gemeindeverbände 2024 gegenüber 2023 um 3,4 Prozent auf rund 1,1 Milliarden Euro gestiegen ist und die Investitionskredite zusätzlich bei 1,04 Milliarden Euro lagen. Der Antrag fordert, dass die Kommunen stärker an der Einkommensteuer beteiligt werden, statt bei steigenden Sozial- und Personalkosten weiter auf der Stelle zu treten. [11]

Drucksache 8/2154 geht noch direkter an die Ursache: „Konnexität auf Landes- und Bundesebene sicherstellen“. Die AfD-Fraktion fordert darin, dass die Landesregierung bei der Übertragung von Aufgaben an Kommunen von Anfang an die vollständige Finanzierung sicherstellt und sich auf Bundesebene für eine vollständige Kompensation kommunaler Belastungen durch Bundesgesetze einsetzt. In der Begründung wird das Rekorddefizit der Brandenburger Kommunen von 355 Millionen Euro im Jahr 2024 genannt. Außerdem wird beschrieben, dass Brandenburgs Kommunen in einer Konnexitätsfalle stecken: Pflichtaufgaben werden übertragen, die vollständige Kostendeckung bleibt aber aus. [12]

Auch beim Landeshaushalt hat die AfD nicht geschwiegen. Die AfD-Fraktion Brandenburg hat gegen den Doppelhaushalt 2025/2026 ein Normenkontrollverfahren eingeleitet und parallel einen Eilantrag gestellt. Das Verfassungsgericht hat den Eilantrag zwar abgelehnt, aber zugleich festgehalten, dass damit keine Entscheidung in der Hauptsache getroffen ist. Politisch bleibt der Punkt bestehen: Neue Schulden, geänderte Berechnungsregeln und haushaltspolitische Tricks lösen nicht das Strukturproblem, sondern verschieben es. [13]

Auch im Bund: Kommunales Nothilfeprogramm statt Weiter-so

Auf Bundesebene hat die AfD-Fraktion im Bundestag mit ihrem Gegenentwurf zum Bundeshaushalt 2026 ebenfalls konkrete Antworten vorgelegt. In Drucksache 21/2908 wird ein kommunales Nothilfeprogramm in Höhe von 5 Milliarden Euro vorgeschlagen, um die unmittelbare Handlungsfähigkeit der Gemeinden zu verbessern. Der Antrag benennt ausdrücklich Straßen, Schulen, Kitas, Daseinsvorsorge und Wohnrauminfrastruktur als kommunale Investitionsfelder. Gleichzeitig setzt die AfD auf Haushaltsklarheit: kreditfinanzierte Sondervermögen sollen – mit Ausnahme des Sondervermögens Bundeswehr – aufgelöst und Aufgaben in den Kernhaushalt zurückgeführt werden. Außerdem sieht der Entwurf ein Entlastungsprogramm von 54,7 Milliarden Euro für Bürger und Wirtschaft vor, unter anderem durch niedrigere Lohnsteuer, Einkommensteuer, Körperschaftsteuer, Stromsteuer und die Abschaffung nationaler CO2-Belastungen. [14]

Erst die Pflicht, dann die Kür

Damit wird der Unterschied klar: Die derzeitige Politik verteilt Geld für ideologische Projekte, neue Bürokratie, Migration, Klimatransformation und internationale Programme, während die Kommunen vor Ort erklären müssen, warum die Turnhalle undicht ist, die Kita saniert werden muss, die Straße kaputt bleibt oder die Verwaltung kaum noch hinterherkommt. Die AfD sagt: Erst die Pflicht, dann die Kür. Erst Schulen, Kitas, Straßen, Brücken, Sicherheit und Daseinsvorsorge. Erst die Kommunen, dann Prestigeprojekte.

Cottbus braucht keinen weiteren politischen Nebel. Cottbus braucht eine klare Priorität: kommunale Infrastruktur statt ideologischer Ausgabenpolitik. Wenn der Investitionsstau in Cottbus bei rund einer Milliarde Euro liegt, während der Haushalt 2026 ein Jahresminus von 34,6 Millionen Euro ausweist, dann ist das kein Randproblem. Es ist ein Beleg dafür, dass die Kommunen ausbluten. Bund und Land müssen endlich vollständig bezahlen, was sie bestellen. Und vor Ort muss jeder Euro zuerst dorthin fließen, wo er den Bürgern unmittelbar dient: in Kitas, Schulen, Horte, Sporthallen, Straßen, Wege, Brücken, Feuerwehr, Katastrophenschutz und eine funktionierende Verwaltung.

Quellenverzeichnis

[1] Bertelsmann Stiftung: „Rekorddefizit der Kommunen von 32 Milliarden Euro: Expertenrat macht Reformvorschläge“, 19.06.2026.
https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2026/rekorddefizit-der-kommunen-von-32-milliarden-euro-expertenrat-macht-reformvorschlaege

[2] KfW: KfW-Kommunalpanel 2026, Investitionsrückstand 231,2 Milliarden Euro; Schulen 68,9 Milliarden Euro; Straßen 53,7 Milliarden Euro.
https://www.kfw.de/%C3%9Cber-die-KfW/KfW-Research/KfW-Kommunalpanel.html

[3] Stadt Cottbus/Chóśebuz: Bericht des Oberbürgermeisters Tobias Schick vor der 15. Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 19.11.2025.
https://cottbus.de/stadtverordnete/live-stream-und-mitschnitte/berichte-des-oberbuergermeister-vor-der-stadtverordnetenversammlung/bericht-des-oberburgermeisters-tobias-schick-vor-der-15-sitzung-der-stadtverordnetenversammlung-am-19-november-2025/

[4] Stadt Cottbus/Chóśebuz: Haushaltsplan 2026, Teil II, Ergebnisplan 2026.
https://session.cottbus.de/oparl/bodies/0001/downloadfiles/a/00035890.pdf

[5] Stadt Cottbus/Chóśebuz: Haushaltsplan 2026, Teil II, Darstellung Ergebnishaushalt 2026 gegenüber Mittelfristplanung.
https://session.cottbus.de/oparl/bodies/0001/downloadfiles/a/00035890.pdf

[6] Stadt Cottbus/Chóśebuz: Haushaltsplan 2026, Teil II, Verbindlichkeitenübersicht und Finanzhaushalt.
https://session.cottbus.de/oparl/bodies/0001/downloadfiles/a/00035890.pdf

[7] AfD Cottbus: Antrag AT-07/25 – Einsatz von finanziellen Mitteln aus dem Strukturstärkungsgesetz für die Sanierung von Kitas.
https://www.afd-cottbus.de/fraktion/antrag-at-07-25-einsatz-von-finanziellen-mitteln-aus-dem-strukturstaerkungsgesetz-fuer-die-sanierung-von-kitas/

[8] Stadt Cottbus SessionNet: AT-07/25 – Einsatz von finanziellen Mitteln aus dem Strukturstärkungsgesetz für die Sanierung von Kitas.
https://session.cottbus.de/buerger/vo0050.asp?__kvonr=4319

[9] AfD Cottbus: Antrag AT-12/25 – Einsetzung einer Arbeitsgruppe „Personalentwicklung in der Verwaltung der Stadt Cottbus“.
https://www.afd-cottbus.de/fraktion/antrag-at-12-25-einsetzung-einer-arbeitsgruppe-personalentwicklung-in-der-verwaltung-der-stadt-cottbus/

[10] Stadt Cottbus: Antrag AT-038/23 – Aufhebung des Beschlusses A-06-18/21; Begründung zu kommunalen Belastungsgrenzen, Kita-/Schulkapazitäten und Investitionsstau.
https://session.cottbus.de/oparl/bodies/0001/downloadfiles/00009045.pdf

[11] Landtag Brandenburg, Drucksache 8/2152, Antrag der AfD-Fraktion: Bundesratsinitiative zur Verbesserung der Finanzen der Kommunen durch Neuverteilung der Einkommensteuereinnahmen.
https://afd-fraktion-brandenburg.de/wp-content/uploads/2025/12/2152.pdf

[12] Landtag Brandenburg, Drucksache 8/2154, Antrag der AfD-Fraktion: Konnexität auf Landes- und Bundesebene sicherstellen.
https://afd-fraktion-brandenburg.de/wp-content/uploads/2025/12/2154-1.pdf

[13] Verfassungsgericht Brandenburg: Pressemitteilung zum Eilantrag gegen Doppelhaushalt 2025/2026, 19.12.2025.
https://verfassungsgericht.brandenburg.de/verfgbbg/de/presse-statistik/pressemitteilungen/detail/~19-12-2025-pressemitteilung

[14] Deutscher Bundestag, Drucksache 21/2908, Entschließungsantrag der AfD-Fraktion zum Bundeshaushalt 2026.
https://dserver.bundestag.de/btd/21/029/2102908.pdf

[15] AfD-Bundestagsfraktion: „AfD-Fraktion beantragt kommunales Notfallprogramm“, 28.11.2025.
https://afdbundestag.de/afd-fraktion-beantragt-kommunales-notfallprogramm/

[16] Bundesregierung: „Bundeshaushalt 2026: Investitionen für die Zukunft“, Angabe zu rund 11,5 Milliarden Euro Militärhilfe für die Ukraine im Jahr 2026.
https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/bundeshaushalt-2026-2374030

[17] Auswärtiges Amt: „Deutschland steht fest an der Seite der Menschen in der Ukraine“, Angaben zu 41 Milliarden Euro ziviler Unterstützung, 55,5 Milliarden Euro militärischer Unterstützung, 645 Millionen Euro deutschen Pflichtbeiträgen zur Europäischen Friedensfazilität, 700 Millionen US-Dollar PURL-Finanzierung und 90 Milliarden Euro EU-Darlehen für 2026/2027.
https://www.auswaertiges-amt.de/de/service/laender/ukraine-node/ukraine-solidaritaet-2513956

Alles Gute zum Schulanfang wünscht euch Lars Schieske.

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