Torgau – Nationalhymne und Ehrenamt

Wenn Tradition zur Belastung erklärt wird

Bis 1991 war das Deutschlandlied mit allen drei Strophen offizielle Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland und das nicht nur als symbolisches Relikt, sondern in offizieller Funktion. Die erste Strophe („Deutschland, Deutschland über alles“) war über Jahrzehnte hinweg Bestandteil staatlicher Zeremonien, Schulsingen und öffentlicher Veranstaltungen, ohne dass daraus automatisch eine politische Radikalisierung abgeleitet wurde [1].

Erst in den letzten Jahrzehnten hat sich die gesellschaftliche Bewertung stark verschoben. Heute wird dieselbe Strophe, die damals selbstverständlich zum offiziellen Liedgut gehörte, oft reflexartig als „vorbelastet“ und „extremistisch konnotiert“ dargestellt.

Hier muss man sich ernsthaft fragen: Hat sich die Strophe verändert oder hat sich vielmehr unsere Gesellschaft von ihren eigenen Wurzeln entfernt?

Eine Nation, die ihre historischen Symbole nicht mehr einordnen kann, sondern reflexhaft verurteilt, verliert den Blick für den Ursprung und die historische Bedeutung.

Wer damals das Lied in voller Länge gesungen oder gespielt hat, bewegte sich im Rahmen offizieller staatlicher Praxis – warum wird das heute anders bewertet?

Solidarität mit Feuerwehrmann Richard Münder

Der aktuelle Fall des Feuerwehrmanns Richard Münder aus Bad Belzig macht diesen gesellschaftlichen Wandel besonders deutlich. Obwohl er nachweislich nicht auf der Tribüne war – was durch Videomaterial belegt wird – und lediglich dem DJ den USB-Stick zur Verfügung gestellt hatte, auf dem sich die Aufnahme befand, wurde er nach dem Abspielen der ersten Strophe des Deutschlandliedes bei den Feuerwehrmeisterschaften in Torgau von allen Ämtern im Landesfeuerwehrverband und im Deutschen Feuerwehrverband entbunden. Mehrere Sportler berichteten, dass die Verantwortlichen der Feuerwehrverbände selbst auf der Tribüne strammstanden und nicht eingriffen. [2][3].

Münder ist, wie ich es 2018 war, ein aktiver Feuerwehrmann einer Freiwilligen Feuerwehr, der jeden Tag für die Gesellschaft bereitsteht. Solche Ehrenamtlichen sind das Rückgrat unseres Bevölkerungsschutzes und trotzdem werden sie öffentlich an den Pranger gestellt, wenn sie Symbole verwenden, die bis 1991 völlig legitim waren.

Ich selbst wurde damals Ziel einer Kampagne, weil ich aus dem Feuerwehrauto Patrioten grüßte, die gegen Gewalt durch kriminelle Ausländer demonstrierten. Man warf mir mangelnde politische Neutralität vor, doch das Disziplinarverfahren endete mit einem klaren Befund: Ich habe den Boden des Grundgesetzes, die freiheitlich-demokratische Grundordnung und die Neutralität im Dienst nie verlassen.

Genau wie bei Münder zeigt sich: Wenn das Urteil erst gefällt ist, kommt die Entlastung oft zu spät – der Rufschaden bleibt.

Absage der Internationalen Feuerwehr-Wettkämpfe 2026 – falsche Darstellung und Parallelen

Hinzu kommt die Absage der Internationalen Feuerwehr-Wettkämpfe 2026 in Berlin. Offiziell wurde mangelnde Finanzierung als Grund genannt. Doch die tatsächlichen Abläufe zeichnen ein anderes Bild:

  • Laut meinen Recherchen gab es keinen vollständigen Förderantrag beim Bundesinnenministerium.
  • Unterstützung wurde seitens des Ministeriums in Aussicht gestellt, doch der Deutsche Feuerwehrverband handelte nicht konsequent weiter [4].
  • DerDeutsche Feuerwehrverband stellte die Lage öffentlich so dar, als habe die Politik versagt – obwohl hausinterne Fehler der Organisation entscheidend waren.

Diese falsche Darstellung erinnert stark an das Muster, das wir auch im Fall Münder sehen: Wenn die Organisation nicht funktioniert, sucht man nach einem Schuldigen. Und dieser Schuldige ist oft jemand, der versucht hat, Ordnung in ein bestehendes Chaos zu bringen.

Münder selbst hat öffentlich erklärt, dass die Organisation der Meisterschaften „drunter und drüber“ ging – und dass gerade jene, die ihre Stimme erhoben, ins Visier genommen wurden [3].

Erwartung an die nächste Delegiertenversammlung

Ich erwarte, dass bei der nächsten Delegiertenversammlung des Deutschen Feuerwehrverbandes und des Landesfeuerwehrverbandes Brandenburg beide Themen endlich offen auf den Tisch kommen:

  • Das Thema Torgau mit den überzogenen Reaktionen der Funktionäre gegenüber Richard Münder,
  • sowie die Absage der internationalen Meisterschaften 2026 in Berlin – mitsamt der bewusst falschen Darstellung des Deutschen Feuerwehrverbandes gegenüber der Öffentlichkeit.

Es geht hier um die Glaubwürdigkeit und Integrität unseres Verbandes. Schweigen oder Aussitzen darf keine Option sein!

Fazit

  • Historisch: Bis 1991 war die erste Strophe des Deutschlandliedes unangefochtener Teil unserer Hymne. Die plötzliche Umdeutung zeigt weniger eine Veränderung des Textes als eine Entfremdung unserer Gesellschaft von ihren eigenen Symbolen.
  • Aktuell: Fälle wie der von Richard Münder oder meine eigene Erfahrung 2018 beweisen, dass Ehrenamtliche schnell ins Kreuzfeuer geraten können – unabhängig davon, ob ihr Handeln im gesetzlichen Rahmen liegt.
  • Strukturell: Beim Deutschen Feuerwehrverband müssen Verantwortlichkeit und Transparenz gestärkt werden, um Fehlentscheidungen, falsche Darstellungen und öffentliche Fehlurteile zu verhindern.

Quellen

  1. Historie des Deutschlandliedes, Nutzung aller drei Strophen bis 1991, gesellschaftliche Einordnung (de.wikipedia.org)
  2. Maßnahmen gegen Richard Münder, Entbindung von allen Ämtern, Hintergrund des Vorfalls bei den Feuerwehrmeisterschaften in Torgau (maz-online.de)
  3. Öffentliche Reaktionen und Münders Kritik an der chaotischen Organisation der Veranstaltung, Solidaritätsbekundungen (saechsische.de)
  4. Analyse zur Absage der Internationalen Feuerwehr-Wettkämpfe 2026, fehlender Förderantrag, falsche Darstellung durch den Verband (lars-schieske.de)

Strukturen des Landesfeuerwehrverbandes Brandenburg e. V.

Anfragen an den Landtag Brandenburg von Lars Schieske veröffentlicht

Kleine Anfrage 1155

des Abgeordneten Lars Schieske (AfD-Fraktion)

Fragen:
https://www.parlamentsdokumentation.brandenburg.de/starweb/LBB/ELVIS/parladoku/w7/drs/ab_3100/3145.pdf

Vorbemerkung des Fragestellers: In der Satzung des Landesfeuerwehrverbandes Brandenburg e. V. heißt es unter § 4 Mitgliedschaft im Absatz 7 „Die Jugendfeuerwehren innerhalb der Mitglieder nach § 4 (Absatz 1) bilden die ‘Landesjugendfeuerwehr Brandenburg im Lan- desfeuerwehrverband Brandenburg e. V.‘. Die Landesjugendfeuerwehr gibt sich eine Ju- gendordnung.“

Vorbemerkung der Landesregierung: Der Landesfeuerwehrverband Brandenburg e. V. ist ein eingetragener Verein. Daher verfügt der Landesfeuerwehrverband Brandenburg e. V. über die Personal- und Organisationshoheit für alle Belange des Vereins. Die diesbezüglichen Regelungen unterliegen keiner Prüfungspflicht durch die Landesregierung. Der Landesfeuerwehrverband Brandenburg e. V. wird institutionell gefördert. Somit wird lediglich der Wirtschaftsplan des Landesfeuerwehrverbandes Brandenburg e. V. durch das innerhalb der Landesregierung zuständige Ministerium gebilligt.

Antwort:
https://www.parlamentsdokumentation.brandenburg.de/starweb/LBB/ELVIS/parladoku/w7/drs/ab_3300/3341.pdf

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