Wir sprengen, was uns versorgt – und verschärfen den Energiemangel

Diese Energiepolitik schadet der Lausitz und ist ideologischer Irrsinn.

Die Sprengung der Abraumförderbrücke F60 im Tagebau Jänschwalde war kein bloßer technischer Rückbau, sondern ein energiepolitisches Symbol. Öffentlich per Livestream konnten Bürger verfolgen, wie eine zentrale Infrastruktur zur Gewinnung grundlastfähiger Energie endgültig beseitigt wurde – in einer Zeit, in der der Energiebedarf in Deutschland weiter steigt und die Versorgungssicherheit zunehmend unter Druck gerät [1].

Ein ähnliches Bild bot sich bereits im Oktober 2025 bei der Sprengung der Kühltürme des stillgelegten Atomkraftwerks Gundremmingen. Auch dort wurde leistungsfähige Energieinfrastruktur nicht deshalb überflüssig, weil gleichwertiger Ersatz bereitstand, sondern weil politische Entscheidungen den endgültigen Rückbau erzwangen [2]. Beide Ereignisse stehen sinnbildlich für eine Energiepolitik, die ideologisch motiviert ist und physikalische sowie wirtschaftliche Realitäten ausblendet.

Der Abschied von sicherer, grundlastfähiger Energie

Mit dem nahezu zeitgleichen Ausstieg aus Kernenergie und Kohleverstromung verabschiedet sich Deutschland von zwei Energieformen, die entscheidende Eigenschaften gemeinsam haben: Sie sind grundlastfähig, wetterunabhängig und dauerhaft verfügbar. Genau diese Eigenschaften sind für ein Industrieland unverzichtbar.

Der Kohleausstieg trifft insbesondere Regionen wie die Lausitz hart. Über Jahrzehnte gewachsene industrielle Strukturen, Arbeitsplätze und eine stabile Energieversorgung werden aufgegeben, ohne dass zum Zeitpunkt des Rückbaus ein belastbarer Ersatz existiert [3]. Trotz hoher installierter Leistungen bei Wind- und Solarenergie kommt es immer wieder zu Situationen, in denen nur ein sehr geringer Teil des tatsächlichen Strombedarfs aus wetterabhängigen Energien gedeckt werden kann [3].

Anstatt zunächst Versorgungssicherheit herzustellen, werden funktionierende Anlagen abgeschaltet, gesprengt und unwiederbringlich zerstört. Es wird nicht der erste Schritt vor dem dritten getan – sondern der dritte vor dem ersten.

Fernwärme: Ein unterschätztes Opfer der Energiepolitik

Was in der öffentlichen Debatte häufig ausgeblendet wird: Mit dem Ende von Kohle- und Kernkraftwerken verschwindet auch eine tragende Säule der Fernwärmeversorgung. Diese wurde bislang vielfach als Nebenprodukt der Stromerzeugung gewonnen – effizient, zuverlässig und vergleichsweise kostengünstig.

Fallen diese Kraftwerke weg, muss Fernwärme neu erzeugt werden. Das ist technisch möglich, jedoch deutlich energieintensiver, teurer und abhängig von zusätzlichem Strombedarf. Für Bürger und Kommunen bedeutet das steigende Preise bei gleichzeitig sinkender Versorgungssicherheit.

Die Seewasserwärmepumpe in Cottbus: Ersatz mit erheblichen Risiken

Ein zentrales Beispiel für diese Entwicklung ist die geplante Seewasserwärmepumpe in Cottbus. Das Projekt wird als Zukunftslösung beworben, ist jedoch mit Investitionskosten von nahezu 100 Millionen Euro verbunden – Kosten, die am Ende von den Bürgern zu tragen sein werden [4].

Hinzu kommt eine grundlegende Frage: Woher soll der zusätzliche Strom kommen, der für den Betrieb einer solchen Großwärmepumpe notwendig ist, wenn gleichzeitig sichere Stromerzeugungskapazitäten abgeschaltet werden? Ohne stabile Stromversorgung wird aus einer Wärmepumpe keine Lösung, sondern ein zusätzliches Risiko für das Gesamtsystem.

Zugefrorener See – ökologische und technische Realität

Heute konnte man sich selbst ein Bild davon machen, wie fragil diese Konzepte sind: Der betreffende See war bei den aktuellen winterlichen Temperaturen vollständig zugefroren. Das zeigt, wie begrenzt die verfügbare Umweltenergie in solchen Gewässern in kalten Perioden tatsächlich ist.

Zugefrorener Ostsee am 05.02.2026. Nur das Einlaufbecken ist eisfrei.

Eine großtechnische Seewasserwärmepumpe entzieht dem See kontinuierlich Wärme. Wird einem Gewässer unter solchen Bedingungen zusätzlich Energie entzogen, sind ökologische Folgen absehbar. Sinkende Wassertemperaturen können Wasserlebewesen, Mikroorganismen und das ökologische Gleichgewicht massiv beeinträchtigen. Veränderungen der Sauerstoffverhältnisse, Stress für Flora und Fauna sowie langfristige Schäden am Ökosystem sind reale Risiken.

Auch technisch ergeben sich Probleme: Je kälter das Ausgangswasser, desto ineffizienter arbeitet eine Wärmepumpe. Vereisung, höherer Stromverbrauch und steigende Betriebskosten sind zu erwarten. Wenn ein See bereits ohne zusätzliche Nutzung zufriert, muss ernsthaft hinterfragt werden, ob er dauerhaft als Energiequelle im industriellen Maßstab geeignet ist. Gerade im Winter, wenn der Energiebedarf am höchsten ist, droht eine zusätzliche Schwächung des Systems.

Energieoffen, technologieoffen, realistisch

Die AfD lehnt diesen energiepolitischen Kurs entschieden ab. In ihrem Programm steht klar: Energiepolitik muss technologieoffen, bedarfsgerecht und auf Versorgungssicherheit ausgerichtet sein. Sichere Energiequellen dürfen nicht aus ideologischen Gründen abgeschaltet werden, solange kein gleichwertiger Ersatz zur Verfügung steht [5].

Ein Industrieland kann nicht zuerst Kraftwerke sprengen, Brücken abbrechen und Kühltürme niederreißen – und anschließend hoffen, dass Speicher, Wärmepumpen und Importe die entstehenden Lücken irgendwann schließen. Vernünftige Politik bedeutet, zuerst Alternativen aufzubauen und zu testen, bevor bewährte Strukturen aufgegeben werden.

Fazit

Die Sprengung der Förderbrücke F60 und der Abriss der AKW-Kühltürme sind keine Einzelfälle. Sie stehen exemplarisch für eine Energiepolitik, die Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und ökologische Verantwortung dem politischen Zeitgeist unterordnet. Während der Energiebedarf steigt, wird die Grundlage unserer sicheren Energieversorgung zerstört – öffentlich, unumkehrbar und ohne tragfähigen Ersatz.

Deutschland braucht keinen weiteren symbolischen Rückbau, sondern einen ideologiefreien Energiemix, der Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit verbindet. Alles andere wird uns wirtschaftlich, sozial und energiepolitisch teuer zu stehen kommen.


Quellenverzeichnis

  1. Niederlausitz Aktuell: Livestream – Förderbrücke F60 im Tagebau Jänschwalde wird gesprengt
  2. RWE Presse: Kühltürme der Rückbauanlage Gundremmingen erfolgreich zu Boden gebracht, 25.10.2025
  3. rbb24: Bislang kein konkreter Plan für die Zukunft der Lausitz ohne Kohle, 13.05.2025
  4. Lars Schieske: Seewasserwärmepumpe in Cottbus – auf einmal fast 100 Millionen. Wer zahlt die Zeche?
    https://lars-schieske.de/fokusbeitrag/seewasserwaermepumpe-in-cottbus-auf-einmal-fast-100-millionen-wer-zahlt-die-zeche/
  5. AfD-Bundesprogramm / Wahlprogramm: Abschnitt Energiepolitik (Technologie- und Energieoffenheit)

Seewasserwärmepumpe in Cottbus – Auf einmal fast 100 Millionen & wer zahlt die Zeche?

Lars-Schieske.de - Seewasserwärmepumpe 100 Millionen Euro kosten

Die Stadt Cottbus plant mit großem finanziellem Aufwand den Bau einer Seewasserwärmepumpe am Ostsee. Ursprünglich wurde mit 77 Mio. € kalkuliert, doch mittlerweile sprechen Experten von nahezu 100 Mio. € [1][4]. Hinzu kommt, dass das Projekt aktuell wegen einer ausstehenden beihilferechtlichen Genehmigung aus Brüssel ins Stocken geraten ist [4]. Jede Verzögerung bedeutet weitere Kostenrisiken und eine wachsende Unsicherheit für die Fernwärmeversorgung.

Sorgfalt vor Schnellschuss

Unsere Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung hat mit einem Änderungsantrag klar gemacht, dass ein Projekt dieser Größenordnung nicht blind durchgewunken werden darf. Wir fordern:

  • Ausschreibung nach Vergaberecht und belastbaren Wirtschaftlichkeitsnachweis [3].
  • Prüfung aller Risiken: Grundstücksrechte, Genehmigungen, Rückführung des Seewassers [3].
  • Vorlage von Finanzierungszusagen und Förderbescheiden [3].
  • Vergleich mit Alternativen, z. B. Blockheizkraftwerke oder hybride Systeme [3].
  • Quartalsweise Berichterstattung an die SVV, damit Transparenz für Bürger und Politik besteht [3].

Damit wollen wir sicherstellen, dass Investitionen von 90–100 Mio. € verantwortungsvoll getätigt werden und nicht zur Kostenfalle für die Bürger werden.

Leistung & Wärmeanteil

Der Focus-Artikel berichtet von einer geplanten 35-MW-Wärmepumpe, die mindestens 40 % der Fernwärmeversorgung abdecken soll [1]. Die Kosten werden dort mit ca. 80 Mio. € angegeben [1].

SCOP und Strombedarf

Ich habe bereits im März 2024 eine Einwohneranfrage gestellt. Die Antwort auf meine Frage zur Jahresarbeitszahl lautete:

„Modellhaft rechnet Stadtwerke Cottbus derzeit mit einem SCOP von 2,8.“ [2]

Was bedeutet SCOP?

SCOP steht für Seasonal Coefficient of Performance (Saisonaler Leistungskoeffizient) und beschreibt, wie effizient eine Wärmepumpe über ein Jahr arbeitet.

  • Ein SCOP von 2,8 bedeutet: Aus 1 kWh Strom werden 2,8 kWh Wärme erzeugt.
  • Anders gesagt: Rund 36 % der erzeugten Wärmeenergie müssen als Strom zugeführt werden – der Rest wird aus der Umwelt (hier: Seewasser) entzogen.

Berechnung:

Bei 35 MW Leistung und 4.000 Volllaststunden ergibt sich:

  • Wärmeproduktion:
    35 MW × 4.000 h = 140.000 MWh Wärme/Jahr
  • Strombedarf:
    140.000 MWh ÷ 2,8 ≈ 50.000 MWh Strom/Jahr

Das entspricht dem Jahresstromverbrauch von über 15.000 Haushalten. [1][3][4].

Offene Fragen & Risiken

  • Beihilfeverfahren: Ohne EU-Genehmigung kann das Projekt nicht starten [4].
  • Stromversorgung: 50.000 MWh Strom zusätzlich pro Jahr – bei Kohleausstieg eine Herausforderung.
  • Kostenentwicklung: Kosten könnten weiter steigen – jeder Monat Verzögerung verteuert das Projekt [4].

Fazit

Die Wärmepumpe kann ein Baustein der Wärmewende sein, darf aber nicht zu einer Kostenexplosion für die Bürger führen.
Wir setzen uns weiterhin dafür ein, dass Cottbus eine bezahlbare, sichere und technologieoffene Wärmeversorgung erhält. Ideologische Projekte auf Kosten der Steuerzahler lehnen wir ab – Transparenz, Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit müssen an erster Stelle stehen.


Quellenverzeichnis

[1] Focus-Online: Riesen-Wärmepumpe in künstlichem See heizt schon bald deutsche Kohle-Hochburg https://www.focus.de/earth/report/in-cottbus-riesen-waermepumpe-in-kuenstlichem-see-heizt-schon-bald-deutsche-kohle-hochburg_id_259836967.html
[2] Einwohneranfrage 29/24, Stadtverordnetenversammlung Cottbus, 27.03.2024
[3] Antrag der AfD-Fraktion zur Änderung der Beschlussvorlage I-012/24 StVV vom 22.10.2024
[4] Lausitzer Rundschau: Cottbuser Ostsee: Hohe Hürde aus Brüssel für Seewasserwärmepumpe in Cottbus, 17.09.2025
https://www.lr-online.de/lausitz/cottbus/cottbuser-ostsee-hohe-huerde-aus-bruessel-fuer-seewasserwaermepumpe-in-cottbus-78292784.html

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