Feuerwehrsport im Konflikt: Aussagen, Vorwürfe und Fakten im direkten Vergleich

Ein alter Fall wird neu erzählt

Der Fall Dr. Richard Münder ist kein neuer Vorgang. Die zugrunde liegenden Ereignisse reichen in das vergangene Jahr zurück, insbesondere im Zusammenhang mit der Deutschen Meisterschaft im Feuerwehrsport in Torgau 2025.

Was jedoch neu ist, ist die aktuelle mediale Berichterstattung. Der Fall wird erneut aufgegriffen, stark zugespitzt und öffentlich neu bewertet. Dabei entsteht der Eindruck, dass weniger neue Erkenntnisse im Vordergrund stehen, sondern vielmehr bekannte Vorwürfe in einer neuen, deutlich schärferen Darstellung wiederholt werden. Auffällig ist dabei insbesondere die Einseitigkeit der Berichterstattung. Zentrale Aussagen des Landesfeuerwehrverbandes Brandenburg werden übernommen und verstärkt, während die detaillierte Gegendarstellung von Dr. Richard Münder kaum in vergleichbarer Tiefe berücksichtigt wird.

Vor diesem Hintergrund ist es notwendig, die Aussagen beider Seiten direkt gegenüberzustellen und zu prüfen, wer sich auf nachvollziehbare Fakten stützt und wo überwiegend mit Bewertungen und Zuschreibungen gearbeitet wird.

Einzelfall oder strukturelles Problem

Der Fall Dr. Richard Münder markiert einen Konflikt, der bereits im vergangenen Jahr erhebliche Fragen zum Umgang mit Kritik, zur internen Aufarbeitung und zur Außendarstellung innerhalb des Landesfeuerwehrverbandes Brandenburg aufgeworfen hat. Die aktuelle Berichterstattung zeigt jedoch, dass diese Fragen nicht geklärt sind. Im Gegenteil, sie treten erneut hervor.

Zur Einordnung ist ein weiterer Vorgang aus diesem Jahr relevant, der sogenannte Fall Brose. Dabei ging es darum, dass ein Vizepräsident des Landesfeuerwehrverbandes Brandenburg im Rahmen eines arbeitsrechtlichen Verfahrens in voller Verbandsuniform vor Gericht auftrat. Dieser Vorgang löste Kritik aus, weil damit die Trennung zwischen persönlicher Angelegenheit und institutioneller Repräsentation zumindest infrage gestellt wurde [6][7].

Der Fall wurde öffentlich diskutiert und war Gegenstand medialer Berichterstattung über mögliche rechtliche und organisatorische Konsequenzen. Damit steht er exemplarisch für Fragen nach Rollenverständnis und institutioneller Integrität innerhalb des Verbandes. Dieser Vorgang ist zeitlich später einzuordnen, zeigt aber deutlich, dass grundlegende Fragen zur Außendarstellung und zum Selbstverständnis innerhalb der Verbandsspitze weiterhin bestehen.

Wenn mehrere Vorgänge innerhalb kurzer Zeit ähnliche Zweifel aufwerfen, spricht vieles dafür, dass es sich nicht um isolierte Einzelfälle handelt, sondern um strukturelle Defizite.

Auffällige Schwerpunktsetzung

Vor diesem Hintergrund fällt die aktuelle mediale Fokussierung besonders ins Gewicht. Es stellt sich eine naheliegende Frage: Warum wird ein bereits bekannter Konflikt aus dem vergangenen Jahr aktuell so intensiv aufgegriffen, während jüngere Vorgänge wie der Fall Brose deutlich weniger öffentliche Aufmerksamkeit erhalten?

Diese unterschiedliche Gewichtung ist zumindest erklärungsbedürftig. Sie kann den Eindruck entstehen lassen, dass durch die erneute Fokussierung auf den Fall Dr. Richard Münder andere, aktuellere Problemlagen in den Hintergrund treten. Ob dies bewusst geschieht oder sich aus journalistischen Dynamiken ergibt, lässt sich von außen nicht abschließend beurteilen. Festzustellen ist jedoch, dass die mediale Darstellung derzeit stark von den Bewertungen des Landesfeuerwehrverbandes geprägt ist, während abweichende Darstellungen weniger Raum erhalten.

Gerade in einem sensiblen Bereich wie dem Feuerwehrwesen wäre jedoch eine ausgewogene, faktenbasierte und differenzierte Berichterstattung notwendig.

Aussagen im direkten Vergleich

Die zentrale Frage lautet daher: Wer belegt seine Aussagen und wer formuliert überwiegend Bewertungen?

Zentrale Vorwürfe des Landesfeuerwehrverbandes

Das Schreiben des LFV Brandenburg enthält mehrere zentrale Aussagen:

„Die Vorgänge in Torgau waren von Dr. Münder genauso geplant.“ [1]

„Es wurde deutlich, dass er keinerlei politisches Bewusstsein besitzt.“ [1]

„Wir sind davon überzeugt, dass Dr. Münder ausschließlich aus selbstsüchtigen, persönlichen Gründen handelt.“ [1]

„Er missbraucht dabei die sportliche Leidenschaft der Feuerwehrsportler.“ [1]

„Mit der Gründung der Deutschen Feuerwehrsportgemeinschaft wird der Versuch unternommen, die Deutsche Feuerwehrwelt zu spalten.“ [1]

Diese Aussagen sind eindeutig formuliert und enthalten schwerwiegende Vorwürfe. Gleichzeitig handelt es sich dabei überwiegend um Bewertungen und Schlussfolgerungen. Konkrete, im Schreiben selbst dargelegte Belege für diese Einschätzungen werden nicht ausgeführt.

Die Gegendarstellung von Dr. Richard Münder

Dr. Richard Münder widerspricht diesen Vorwürfen und beschreibt die Abläufe aus seiner Sicht konkret:

1. Vorwurf: Planung der Ereignisse

LFV:

„Die Vorgänge […] waren […] genauso geplant.“ [1]

Münder:

„Meine Darstellung […] bezog sich […] auf die Abläufe am Nachmittag/Abend […]“ [2]

„Ich war über 30 Minuten […] mit der Ordnung der Marschformation befasst […]“ [2]

„Ich hatte […] gar keine Gelegenheit […] ein Komplott zu schmieden.“ [2]

Einordnung:
Hier steht eine pauschale Behauptung einer detaillierten Schilderung konkreter Abläufe gegenüber.

2. Vorwurf: Politisches Bewusstsein

LFV:

„[…] keinerlei politisches Bewusstsein […]“ [1]

Münder:

„[…] feuerwehrsportliche Veranstaltungen [sind] unpolitisch zu verstehen […]“ [2]

Einordnung:
Es handelt sich um eine inhaltliche Differenz, nicht um eine belegte Tatsachenfrage.

3. Vorwurf: Unehrlichkeit

LFV:

„[…] unehrlich und unzuverlässig […]“ [1]

Münder:

„[…] kein Interesse daran […] die Veranstaltung zu sabotieren […]“ [2]

„[…] wäre wohl kaum die nachfolgenden Tage zugegen geblieben […]“ [2]

Einordnung:
Auch hier stehen pauschale Bewertungen konkreten Verhaltensdarstellungen gegenüber.

4. Vorwurf: Spaltung durch die DFSG

LFV:

„[…] Versuch […] die Feuerwehrwelt zu spalten.“ [1]

Münder:

„[…] Angebote […] die seit Jahren gewünscht werden.“ [2]

„[…] bestehende Strukturen werden […] nicht tangiert.“ [2]

Einordnung:
Der Verband unterstellt eine Absicht, während Dr. Richard Münder konkrete Ziele beschreibt.

5. Vorwurf: Fehlende Legitimation internationaler Aktivitäten

Darstellung Verband/Medien:
Teilnahme ohne Legitimation

Münder:

„[…] seitens des DFV weder Mittel noch eine Mannschaft bereitstehen […]“ [2]

„[…] Distanzierung von der Mitgliedschaft […]“ [2]

Einordnung:
Dr. Richard Münder beschreibt hier einen strukturellen Hintergrund, der im Vorwurf selbst nicht berücksichtigt wird.

Unterschiedliche Qualität der Argumentation

Die Gegenüberstellung zeigt ein klares Bild. Auf Seiten des Landesfeuerwehrverbandes dominieren Bewertungen, politische Einordnungen und persönliche Zuschreibungen. Auf Seiten von Dr. Richard Münder finden sich detaillierte Schilderungen von Abläufen, konkrete zeitliche Einordnungen und nachvollziehbare Argumentationsketten.

Das bedeutet nicht, dass jede Aussage automatisch bewiesen ist. Es zeigt jedoch, dass die Art der Argumentation unterschiedlich belastbar ist.

Gerade dieser Unterschied wird in der aktuellen Berichterstattung nicht ausreichend herausgearbeitet.

Zwischen Darstellung und Realität

Der Fall Dr. Richard Münder zeigt exemplarisch, wie stark Wahrnehmung durch Darstellung geprägt wird. Wenn Vorwürfe ohne detaillierte Belege formuliert und gleichzeitig faktenbasierte Gegenargumente nicht gleichwertig berücksichtigt werden, entsteht ein verzerrtes Gesamtbild.

Die aktuelle Berichterstattung verstärkt diesen Effekt, indem sie bestehende Bewertungen aufgreift, ohne die zugrunde liegenden Widersprüche ausreichend zu beleuchten. Gerade deshalb ist eine differenzierte Betrachtung notwendig. Nur wenn Aussagen und Fakten sauber voneinander getrennt werden, lässt sich ein sachgerechtes Bild gewinnen.

Für die Feuerwehren insgesamt ist das von zentraler Bedeutung. Vertrauen entsteht nicht durch Zuschreibungen oder mediale Verstärkung, sondern durch Transparenz, Nachvollziehbarkeit und einen fairen Umgang mit unterschiedlichen Positionen.


Quellenverzeichnis

[1] Landesfeuerwehrverband Brandenburg e.V.
Feuerwehrsport – Standpunkt zu Aktivitäten von Dr. Richard Münder, 16.03.2026
→ liegt dem Verfasser vor, nicht öffentlich zugänglich

[2] Stellungnahme und Gegendarstellung von Dr. Richard Münder
→ liegt dem Verfasser vor, nicht öffentlich zugänglich

[3] Stadt Torgau, Oberbürgermeister Henrik Simon
Glückwunschschreiben zur Feuerwehrweltmeisterschaft 2025
→ liegt dem Verfasser vor

[4] Sächsische Zeitung
„Brandstifter im eigenen Haus“, 22.04.2026
→ Printartikel, PressReader.com – Zeitungen aus der ganzen Welt

[5] Lars Schieske
Feuerwehrverbände am Scheideweg
→ https://lars-schieske.de/fokusbeitrag/feuerwehrverbaende-am-scheideweg-warum-reformen-auf-landes-und-bundesebene-ueberfaellig-sind/

[6] Märkische Allgemeine Zeitung (MAZ)
„Streit um Feuerwehr-Uniform: Anzeige gegen gekündigten Stadtbrandmeister von Falkensee“
→ https://www.maz-online.de/brandenburg/streit-um-feuerwehr-uniform-anzeige-gegen-gekuendigten-stadtbrandmeister-von-falkensee-EBULMBTEW5ACXKZNJON64ZIJDU.html

[7] Märkische Oderzeitung (MOZ)
„Ist das Tragen einer Uniform Amtsmissbrauch?“
→ https://www.moz.de/nachrichten/brandenburg/feuerwehr-in-brandenburg-ist-das-tragen-einer-uniform-amtsmissbrauch-78666439.html

Mehr als 2.700 Notstromaggregate für die Ukraine: Was die Bundesregierung verschweigt

Kleine Anfrage mit großer Sprengkraft

Was lange nur als grobe Schätzung durch die Medien geisterte, ist nun offiziell bestätigt und übertrifft alle bisherigen Annahmen deutlich. Während öffentlich von rund 1.700 Notstromaggregaten die Rede war, zeigt eine aktuelle Kleine Anfrage an die Bundesregierung ein völlig anderes Bild. Tatsächlich wurden seit 2022 insgesamt 2.754 Stromerzeuger in die Ukraine geliefert, weitere Geräte befinden sich bereits in Vorbereitung [1].

Diese Diskrepanz zwischen medial vermitteltem Eindruck und tatsächlichem Regierungshandeln ist erheblich. Sie legt nahe, dass Umfang und Dimension dieser Maßnahmen bislang nicht vollständig transparent gemacht wurden. Damit rückt nicht nur die Frage nach der Größenordnung in den Fokus, sondern auch nach der politischen Kommunikation und der bewussten Steuerung von Informationen.

Die Fakten: Neue Geräte statt vorhandener Bestände

Besonders relevant ist die Feststellung der Bundesregierung, dass keine Geräte aus dem Bestand des Technischen Hilfswerks abgegeben wurden. Stattdessen wurden sämtliche Stromaggregate eigens neu beschafft [1].

Die Finanzierung erfolgte über gesonderte Mittel des Auswärtigen Amtes sowie des Bundesministeriums des Innern [1]. Die Geräte wurden anschließend als humanitäre Hilfe in die Ukraine überführt.

Diese Aussage ist von zentraler Bedeutung. Sie zeigt, dass hier keine bestehende Infrastruktur umverteilt wurde, sondern gezielt neue Technik beschafft wurde. Es handelt sich also um eine aktive staatliche Investitionsentscheidung mit anschließendem Export. Damit wird eine klare politische Priorität sichtbar, die bisher so nicht offen kommuniziert wurde.

Beschaffung und Struktur: Die Rolle des Technischen Hilfswerks

Obwohl formal keine Bestände des Technischen Hilfswerks abgegeben wurden, lief die gesamte Beschaffung und logistische Abwicklung über diese Organisation. Das Technische Hilfswerk fungierte damit als operative Plattform für eine politisch gesteuerte Maßnahme.

Diese Konstruktion ist bemerkenswert. Sie ermöglicht eine organisatorische Trennung zwischen politischer Entscheidung und operativer Umsetzung. Gleichzeitig entsteht der Eindruck, dass staatliche Strukturen des Bevölkerungsschutzes für internationale Maßnahmen eingesetzt werden, die über ihren ursprünglichen Auftrag hinausgehen.

Die Frage, warum gerade diese Struktur gewählt wurde und ob alternative Wege geprüft wurden, bleibt unbeantwortet.

Fehlende Transparenz bei erheblichen Summen

Die Bundesregierung macht keine Angaben zu den Kosten der beschafften Aggregate. Weder Stückpreise noch Gesamtausgaben werden genannt. Diese Informationslücke ist besonders problematisch, da es sich um eine große Anzahl technisch hochwertiger Geräte handelt.

Die Leistungsspanne der Aggregate reicht von 2 bis 1.250 kVA [1]. Geräte in diesem Bereich weisen erhebliche Preisunterschiede auf. Während kleinere Einheiten im unteren vierstelligen Bereich liegen, erreichen leistungsstarke Industrieaggregate schnell Preise im fünf- bis sechsstelligen Bereich.

Bereits eine vorsichtige Schätzung führt zu einem Gesamtvolumen im zweistelligen Millionenbereich. Bei realistischer Betrachtung unter Einbeziehung leistungsstarker Anlagen erscheint auch ein Gesamtaufwand von deutlich über 100 Millionen Euro plausibel.

Diese Mittel stammen letztlich aus öffentlichen Haushalten und damit aus Steuergeldern. Umso schwerer wiegt die Tatsache, dass hierzu bislang keine detaillierte Aufschlüsselung vorliegt.

Zwischen Humanität und strategischer Wirkung

Die Bundesregierung ordnet die Lieferung als humanitäre Hilfe ein [1]. Diese Einordnung greift jedoch zu kurz, wenn man die tatsächliche Funktion der gelieferten Geräte betrachtet.

Notstromaggregate sichern die Energieversorgung, stabilisieren kritische Infrastruktur und gewährleisten die Funktionsfähigkeit staatlicher Einrichtungen. In einem kriegsgeprägten Umfeld tragen sie somit unmittelbar zur Aufrechterhaltung staatlicher Strukturen bei.

Die Grenze zwischen humanitärer Unterstützung und indirekter Beteiligung an einem Konflikt wird dadurch unscharf. Diese Frage berührt grundlegende politische und rechtliche Prinzipien und bedarf einer offenen Debatte.

Belastungen und Prioritäten

Parallel zu diesen Entwicklungen stehen Bürger und Unternehmen in Deutschland vor steigenden finanziellen Belastungen. Energiepreise, Abgaben und Lebenshaltungskosten nehmen zu. Gleichzeitig wird in politischen Debatten regelmäßig über zusätzliche Einnahmen und neue Belastungen diskutiert.

Vor diesem Hintergrund stellt sich zwangsläufig die Frage nach der Prioritätensetzung. Während im Inland über Einsparungen und Belastungen gesprochen wird, werden im Ausland erhebliche Mittel eingesetzt, deren genaue Höhe und Struktur nicht transparent gemacht werden.

Die Bundesregierung betont, dass die Einsatzbereitschaft des Technischen Hilfswerks nicht beeinträchtigt sei [1]. Eine unabhängige Überprüfung oder detaillierte Begründung dieser Einschätzung bleibt jedoch aus.

Offene Fragen und weiterer Aufklärungsbedarf

Die vorliegenden Antworten liefern wichtige Erkenntnisse, werfen jedoch zugleich neue Fragen auf.

Wie hoch sind die tatsächlichen Gesamtkosten dieser Maßnahmen. Welche konkreten Gerätetypen wurden beschafft. Wurden neben Stromaggregaten weitere technische Hilfsmittel geliefert. Über welche Haushaltstitel erfolgte die Finanzierung im Detail. Und existieren vergleichbare Programme über andere staatliche Stellen.

Diese Punkte werden Gegenstand weiterer parlamentarischer Initiativen sein. Ziel ist es, vollständige Transparenz über Umfang, Kosten und Struktur dieser Maßnahmen herzustellen.

Bestätigter Verdacht und notwendige Konsequenzen

Die Kleine Anfrage hat deutlich gemacht, dass hier in erheblichem Umfang neue technische Ausrüstung beschafft und ins Ausland geliefert wurde. Dies geschah über staatliche Strukturen, mit erheblichen finanziellen Mitteln und ohne vollständige Offenlegung gegenüber der Öffentlichkeit.

Damit bestätigt sich der Eindruck, dass zentrale Aspekte dieser Maßnahmen bislang nicht umfassend kommuniziert wurden. Eine vertiefte Aufklärung ist daher notwendig, um politische Verantwortung, finanzielle Transparenz und demokratische Kontrolle sicherzustellen.

Quellenverzeichnis

[1] Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage BT-Drucksache 21/4717 Antwort der Bundesregierung (BT-Drucksache 21/5115) als PDF öffnen

Ergänzend (parlamentarische Zusammenfassung):Kurzmeldung des Deutschen Bundestages zur Lieferung von Stromaggregaten

[2] Marktanalysen und Preisübersichten für Notstromaggregate THW liefert Generatoren in die Ukraine (BMI-Meldung mit Kontext zu Geräten)

[3] Medienberichte zur ursprünglichen Zahl von etwa 1.700 Aggregaten Artikel der Berliner Zeitung: „Während in Berlin das Licht ausgeht: 1.700 THW-Generatoren sichern Energie in der Ukraine“

Feuerwehrverbände am Scheideweg – Warum Reformen auf Landes- und Bundesebene überfällig sind

Ich bin selbst Feuerwehrmann. Und gerade deshalb schreibe ich diesen Beitrag!
Die Entwicklungen der vergangenen Monate zeigen, dass die Verbandsstrukturen auf Landes- und Bundesebene dringend reformiert werden müssen.

Es geht nicht um persönliche Befindlichkeiten, sondern um Führung, Integrität, Prioritäten und Verantwortung gegenüber dem Ehrenamt.

1. Feuerwehrsport: Erfolg trotz Verband

Die Bronzemedaille der deutschen Mannschaft bei der Weltmeisterschaft 2025 in Riad im Löschangriff Nass war ein Erfolg für Deutschland [1]. Dieser Erfolg wurde jedoch maßgeblich durch eine private Initiative organisiert, nachdem Dr. Richard Münder im Zusammenhang mit dem Vorfall bei den Deutschen Meisterschaften in Torgau seiner Ämter enthoben worden war [1][2].

In Torgau wurde bei einer Eröffnungsveranstaltung eine historische Fassung des „Lieds der Deutschen“ abgespielt. Obwohl Münder nach Medienberichten nicht selbst für die Musikauswahl verantwortlich war, verlor er sämtliche Funktionen im Deutschen Feuerwehrverband [1][2].

Statt sportfachliche Kompetenz einzubinden und transparent aufzuarbeiten, erfolgte ein Bruch. Die Teilnahme an der Weltmeisterschaft und der Medaillengewinn wurden anschließend außerhalb der bisherigen Verbandsstrukturen organisiert [1].

Wenn sportlicher Erfolg nur noch jenseits der Verbände möglich ist, liegt das Problem nicht bei den Sportlern.

2. CTIF 2026 in Berlin: Organisatorisches Versagen

Die Absage der 18. Internationalen Feuerwehrwettbewerbe und der 25. Internationalen Jugendfeuerwehrbegegnung (CTIF) 2026 in Berlin stellt einen weiteren Einschnitt dar [3].

Der Sachstandsbericht des Bundeskanzleramts und des Bundesinnenministeriums vom 29. Juli 2025 hält fest, dass der Bund nicht in den Bewerbungsprozess eingebunden war [4]. Für eine finanzielle Beteiligung wurde ein konkreter Projektantrag mit belastbarem Finanzierungsplan verlangt [4].

Am 5. Juni 2025 legte der Deutsche Feuerwehrverband laut Sachstandsbericht erstmals einen groben und teilweise unvollständigen Kostenplan vor, ohne klar ausgewiesenen Förderbedarf [4]. Am 18. Juni 2025 wurde die Veranstaltung abgesagt; selbst die Berliner Feuerwehr erhielt erst am Vortag Kenntnis davon [4].

Die offizielle Pressemitteilung des Deutschen Feuerwehrverbandes verwies auf fehlende Finanzierungssicherheit [3]. Tausende Feuerwehrsportler weltweit hatten sich vorbereitet. Deutschland hatte den Zuschlag. Am Ende stand die Absage. International wirkt das unprofessionell. Nach innen entsteht der Eindruck mangelnder Vorbereitung und fehlender Führung.

3. Integrität von Amt und Uniform

Nach meiner Recherche erschien ein Vizepräsident des Landesfeuerwehrverbandes Brandenburg in voller Verbandsuniform vor dem Arbeitsgericht Neuruppin, um gegen seine Kündigung zu klagen [5].

Die Stadt Falkensee legte daraufhin Beschwerde ein; es folgten Prüfungen hinsichtlich Gemeinnützigkeit und möglicher Amtsanmaßung [5]. Der Verbandspräsident bestätigte laut Darstellung, dass das Tragen der Uniform mit ihm abgestimmt gewesen sei [5].

Uniformen repräsentieren Gemeinwohl und institutionelle Autorität. Ihre Nutzung in privaten arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen wirft zumindest die Frage auf, ob die notwendige Trennung zwischen Amt und Person gewahrt wurde.

4. Politische Einflussnahme in der Jugendfeuerwehr

Ich habe in dieser Woche an einem Online-Seminar „Rassismus in der Jugendfeuerwehr“ teilgenommen. Gesellschaftliche Sensibilisierung ist grundsätzlich wichtig. Nach meinem Eindruck wurde dort jedoch ein strukturelles Problem suggeriert, ohne belastbare, konkret belegte Fallbeispiele zu präsentieren.

Bis auf wenige allgemein gehaltene Hinweise wurden keine nachvollziehbaren konkreten Fälle benannt. Alles andere hätte mich auch verwundert.

Zudem brachte das Ehrenmitglied der Landesjugendfeuerwehr, Gerd Rademacher, wiederholt Vertreter der AfD in einem spöttischen Kontext zur Sprache. Eine solche parteipolitische Bezugnahme gehört aus meiner Sicht nicht in ein fachliches Seminar.

Bereits in der Vergangenheit positionierte sich der Landesfeuerwehrverband öffentlich im Zusammenhang mit politischen Debatten um den Landesjugendring Brandenburg [6].

Die Feuerwehr, insbesondere die Jugendfeuerwehr, muss parteipolitisch neutral bleiben.

5. Projektorientierung und Prioritäten

Der Landesfeuerwehrverband Brandenburg ist zudem in staatlich geförderte Programme wie „Zusammenhalt durch Teilhabe“ eingebunden [5]. Demokratieförderung ist legitim. Problematisch wird es jedoch, wenn Projektstrukturen wachsen, während Kernaufgaben wie Sportförderung, internationale Wettbewerbe und ehrenamtliche Unterstützung ins Hintertreffen geraten.

Hier entsteht ein Missverhältnis.

6. Fehlende Transparenz

Im Ausschuss für Sport und Ehrenamt des Deutschen Bundestages wurden Fragen zur CTIF-Absage und zum Umgang mit dem Sportkoordinator gestellt. Der Sachstandsbericht des BMI zeigt, dass wesentliche Voraussetzungen für eine Bundesförderung nicht erfüllt waren [4].

Transparenz und Verantwortungsübernahme sind die Grundlage von Vertrauen. Beides wurde hier aus meiner Sicht nicht ausreichend gewährleistet.

7. Das strukturelle Kernproblem

In der Gesamtschau ergibt sich folgendes Bild:

  • Sporterfolg außerhalb der Verbandsstrukturen [1]
  • Internationale Großveranstaltung organisatorisch nicht abgesichert [3][4]
  • Vermischung von Amt und Person [5]
  • Politische Positionierung im Umfeld der Jugendfeuerwehr [6]
  • Wachsende Projektorientierung bei gleichzeitig schwächelnden Kernaufgaben [5]

Ein altes Sprichwort sagt:
Der Fisch fängt am Kopf an zu stinken.

Wenn Strukturen nicht funktionieren, liegt die Verantwortung an der Spitze.

8. Reformagenda

Notwendig sind:

  1. Verschlankung der Verbandsstrukturen
  2. Klare Trennung zwischen politischer Projektarbeit und Feuerwehrkernaufgaben
  3. Transparente Förder- und Finanzierungsmodelle
  4. Verbindliche Compliance-Regeln
  5. Stärkung sportfachlicher Kompetenz
  6. Konsequente Verantwortungsübernahme auf Führungsebene

Reform bedeutet Wiederherstellung von Vertrauen.

Quellenverzeichnis

[1] Märkische Allgemeine Zeitung: „Nach Deutschlandlied-Skandal: Feuerwehrmann holt WM-Medaille in Saudi-Arabien“
https://www.maz-online.de/brandenburg/nach-deutschlandlied-skandal-feuerwehrmann-holt-wm-medaille-in-saudi-arabien-OA7CV72JVJCSFO5PDVEVPQ36GM.html

[2] RedaktionsNetzwerk Deutschland: „Deutschlandlied-Affäre in Torgau: Warum sich Heino mit einem Feuerwehrmann solidarisiert“
https://www.rnd.de/panorama/deutschlandlied-affaere-in-torgau-warum-sich-heino-mit-einem-feuerwehrmann-solidarisiert-KWEM6P442BDK5CGRXJDLMTLZBY.html

[3] Deutscher Feuerwehrverband: „CTIF-Wettbewerbe 2026 in Berlin abgesagt“ (Pressemitteilung)
https://www.feuerwehrverband.de/ctif-wettbewerbe-2026-in-berlin-abgesagt/

[4] Bundeskanzleramt / Bundesministerium des Innern: Sachstandsbericht zur Absage der internationalen CTIF-Feuerwehrwettbewerbe 2026, Stand 29.07.2025 (PDF)

[5] Streit um Feuerwehr-Uniform: Anzeige gegen gekündigten Stadtbrandmeister von Falkensee

[6] Landesfeuerwehrverband Brandenburg: „AfD droht bei Wahlsieg mit Zerschlagung des Landesjugendrings“
https://www.lfv-bb.de/2024/09/18/afd-droht-bei-wahlsieg-mit-zerschlagung-des-landesjugendrings/

Sport als Versorgungssystem? – Wenn Politik im Verband weiterregiert

Nahtlose Karrieren im organisierten Sport

Die Altparteien, allen voran die CDU, haben ein erstaunliches Talent entwickelt, ihre ehemaligen Mandatsträger und Funktionäre nach Ende der politischen Laufbahn im organisierten Sport unterzubringen. Was im ersten Moment nach harmloser Ehrenamtlichkeit klingt, offenbart bei genauerem Hinsehen ein Versorgungssystem – finanziert durch Beiträge der Sportler und Steuermittel.

Der Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB) wird seit September 2025 von Otto Fricke, dem früheren FDP-Haushaltspolitiker, geführt. In seinem Präsidium sitzen mit Verena Bentele, der ehemaligen Behindertenbeauftragten, und Jens-Peter Nettekoven, CDU-Landtagsabgeordneter, weitere bekannte Politiker. Damit setzen sich Karrieren nahtlos fort in Bereiche, welche stark abhängig von politischen Entscheidungen sind.

Fußball als politisches Netzwerk

Im Fußball sieht es ähnlich aus: Hermann Winkler, einst Minister und Europaabgeordneter für die CDU, ist seit 2021 Vizepräsident des Deutscher Fußball-Bund (DFB) und gleichzeitig Präsident des Nordostdeutschen sowie des sächsischen Fußballverbands. Ex-Innenminister Holger Stahlknecht führt den Landesverband Sachsen-Anhalt, und der Düsseldorfer CDU-Abgeordnete Christos Katzidis steht dem Verband Mittelrhein vor. Diese Ämterhäufung wirft Fragen nach Unabhängigkeit und Motivation auf.

Auch außerhalb des Fußballs präsent

Auch jenseits des Fußballs mischen Politiker mit. Barbara Richstein, langjährige CDU-Landtagsabgeordnete in Brandenburg und frühere Justizministerin, leitet seit 2018 den Leichtathletikverband ihres Bundeslands und wurde 2024 zur Bundesvorsitzenden des Weißer Ring gewählt. Solche nahtlosen Übergänge sind mehr als Ehrenamt: Sie wirken wie organisierte Anschlussverwendungen.

Unterschiedliche Maßstäbe in der Debatte

In der öffentlichen Debatte wird derzeit diskutiert, dass es in der AfD, wie in anderen Parteien, Fälle von Vetternwirtschaft geben soll. Dieses Thema unterscheidet sich jedoch von den Versorgungsposten im Sport: Wer in der AfD arbeitet, wird durch die Berichterstattung schnell an den Pranger gestellt. Das erschwert die Suche nach neuem Personal. Außerdem vertraut man dort – wie in anderen Parteien – häufig auf die Expertise langjähriger Vertrauter und Parteifreunde. Dieses Muster darf nicht als Rechtfertigung für Postengeschacher im Sport dienen.

Fehlende Transparenz und schwindende Autonomie

Die engen Verflechtungen zwischen Politik und Sport haben Konsequenzen. Verbände klagen über fehlende Transparenz und geringen Reformwillen. Wenn ehemalige Minister Spitzenposten bekleiden, wird Kritik leiser. Fördermittel fließen in Strukturen, die von Parteifunktionären kontrolliert werden; echte Autonomie des Sports geht verloren.

Forderung nach klaren Regeln

Der Sport braucht Transparenz statt Filz. Öffentliche Gelder sollten nur fließen, wenn Führungsposten ausgeschrieben und frei von parteipolitischer Dominanz sind. Eine Abkühlphase vor dem Wechsel aus dem Parlament in einen Verbandsposten würde helfen. Ehrenamtliche, Trainer und Sportler selbst besitzen die Kompetenz, ihre Verbände zu führen.

Der Staat sollte seine Kernaufgaben wahrnehmen – Sicherheit, Bildung und Infrastruktur –, statt Versorgungsposten im Sport zu dulden. Sportverbände sind kein Auffanglager für Politiker; sie verdienen Führung aus der Sache, nicht aus Parteibüros.

Alles Gute zum Schulanfang wünscht euch Lars Schieske.

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